Übersichtskarte

Dienstag, 07.02.2012

Nepal

...

Samstag, 28.01.2012

China

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Sonntag, 22.01.2012

Abschied. Auf dem Weg über Umwege gen Westen

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Donnerstag, 29.12.2011

Frohe Weihnachten, guten Rutsch und bis naechstes Jahr

So, die allmonatliche Berichterstattung. Heute aus dem Mekka des koreanischen Nachtlebens. Nach etlichem Hin-und Herreisen mit viel zu laestigem Gepaeck und dem herzlosen Versuch dieser Metropole namens Seoul zu entrinnen, bin ich nun dort angekommen, wo ich bis naechstes Jahr bleiben werde. In - richtig -  Seoul!

Den ersten Fluchtversuch begann ich am Ende meiner Examen, die uebrigens aeusserst zufriedenstellend ausfielen. Nunja, entsetzt musste ich feststellen, dass ich eine A Note unter meinen Ergebnissen hatte. Wo doch der Rest ein A+ war. Ein kleiner Hauch von euphorischer Arroganz hat mich heute befallen, da ich nun immerhin die aelteste Universitaet eines Landes mit bildungswuetigen Buergern mit einem A+ Durchschnitt verlassen werde. Wie dem auch sei. Mit Sack und Pack ging es Richtung Sueden. Ein paar Tage habe ich es dort ausgehalten, wusste dass ich dort nicht meine Weihnachten verbringen moechte und schon hockte ich in einem Hotel in Seoul. Uebrigens mit Piratenschiffen an der Tapete! Das war DER Weihnachtsort fuer mich. Heiligabend wurde dann mit wunderbarer Begleitung im groessten Club Ostasiens gefeiert. Nicht gerade der Stil in dem ich Weihnachten gerne verbracht haette (naemlich mit meiner Familie vor ihrem neuen Kamin und dem fabelhaften Weihnachtsbaum im Wohnzimmer), aber nungut. Ein paar Nikolaeuse strippen dafuer zur Musik eines international sehr bekannten DJs (den ich natuerlich nicht kannte) und ich hatte wohl ein sehr, sehr alternatives Weihnachtsfest in recht nobler Gesellschaft. Einen Weinachtsmarkt hatten wir Anfang Dezember sogar auch. Mit hervorragendem deutschem Gluehweinstand. Mehr Weihnachtsstimmung hatte ich dieses Jahr allerdings nicht. Ich hoffe ihr hattest dafuer ein umso besseres!

Baum deutscher Gluehweinstand

Nach Heiligabend kam der zweite Fluchtversuch zurueck Richtung Sueden. Der endete nach 2 Tagen und dem Entschluss, dass ich Sack und Pack wieder zusammenkrame und den Rest dieses Jahres in meinem Magnetfeld verbringe, die Stadt, die mich einfach nicht loslaesst. Zur Zeit wohne ich in Sinchon in einem Guesthouse. In Sinchon ist es uebrigens sehr schwer nuechtern zu bleiben. Wie erwaehnt ist es das Mekka der koreanischen Jugend. Clubs, Bars und Restaurants reihen sich hier wie Grashalme nebeneinander. Aufgrund der Semester- und Weihnachtsferien ist hier von montags bis sonntags Party als gaebe es kein Morgen. Mal sehen, wie ich die Woche ueberlebe. Nun stehen noch ein paar Treffen mit koreanischen Freunden an, zum Lebewohlsagen. Manch einen werd ich auch naechstes Jahr in Deutschland wiedersehen.

Und ja, meine Fotobeitraege lassen hier aeusserst zu wuenschen uebrig. Es ist einfach viel zu KALT um Fotos zu machen. Minus 8 Grad nachts derzeit. Ueber Silvester jednefalls werd ich noch in Korea sein, was danach geschieht, weiss nur der Wind.

 

Mittwoch, 23.11.2011

Ein neuer Blogeintrag, wie wundersam.

JA, dieser Blog ist noch nicht tot! Nach einer Standpauke meiner Familie hab ich mir die Zeit genommen und mal wieder ein paar Bilder des letzten Monats herausgekramt. Es ist nicht sonderlich viel passiert. Nichts spezielles. Nichts besonderes. Nach 9 Monaten in Seoul ist doch irgendwie schon der Alltag eingekehrt. Allerdings hat das Ganze in einem Monat ein Ende. Dann packe ich endgueltig meine Koffer und werde mit wehmuetiger Laune all meinen Lieblingsorten in Seoul Lebewohl sagen. Und weiterziehen, allerdings nicht nach Deutschland. Aber so weit sind wir ja noch nicht.

Hier die Berichterstattung Oktober/November. Fangen wir an mit dem International Firework Festival in Seoul. Ist schon eine Weile her. Angetreten sind Japan, Korea und Portugal. Vom Han-River hab ich mit meinem Freund (der auch an dem Tag Geburtstag hatte) das Spektakel verfolgt und dabei leider versaeumt wer denn gewonnen hat.

Firework Seoul Firework Seoul Firework Seoul

Danach stand mal wieder ein bisschen Lernen auf dem Programm fuer die aufkommenden Examen. Direkt nach den Mid-Term Examen (die ich stolz alle mit einem A abgeschlossen hatte) ging es zum Abschalten mit zwei finnischen Freunden und meinen koreanischen Freund zum zweiten Mal nach Busan. Hier war gleich zwei Wochen nach dem Fireworkfestival in Seoul, das gleich Spektakel in Busan. Asiaten lieben Feuerwerk, wie mir scheint. Diesmal traten China, Japan, USA und Polen gegeneinander an. Nur diesmal mit Ambiente direkt am Strand ueber einer beleuchteten Bruecke im Meer. Dort saßen wir auf unseren Matten und waren uns alle einig, dass dies das atemberaubendste Feuerwerk war, welches wir jemals gesehen hatten.

Busan at NightBridgesitting on the BeachBusan FireworksBusan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks Busan Fireworks 

Wer fuer ein paar Minuten nichts besseres zu tun hat, der kann sich ja folgendes Video vom Firework Festival Busan anschaun. Da hat man dann auch die musikalische Untermalung und ein Feuerwerk ist ja auch nur schoen anzusehen, wenn es auch in Bewegung ist. Man kann (in der Reihenfolge USA - China - Polen - Japan) Ausschnitte der Performance von allen vier Teilnehmer sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=4DwlWrc7zsM

Der Sieger am Ende (und das zu Recht): Polen. Wer kann auch schon eine akurate, epische Show zum Soundtrack aus Fluch der Karibik ueberbieten?

Nach dem Feuerwerk ging es in ein Restaurant zum Shabu Shabu (koreanisches Gericht), in dem auch eine Ueberfuelle an Ginsengwurzeln zu finden war. Was ist Ginseng? Ginseng ist das Alpha und Omega. Ginseng heilt deinen Husten, deine Kopfschmerzen, deinen Liebeskummer, deine Diabetes, deinen Krebs und es kann die Libido des Mannes sowie Tote wieder zum Leben erwecken. Gibt es in Energy Drinks, als Teevariante oder wahlweise auch in starkem Alkohol. In Kosmetikprodukten ebenso wie in Medikamenten gerne verwendet. Selbst Nordkorea weiss was gut ist und produziert Ginseng-Handcream fuer besonders zarte und geschmeidige Haut. Es mag bestimmt gewisse medizinische Eigenschaften haben, jedoch wird es doch besonders in der aelteren Generation von Koreanern dezent ueberbewertet.

Eingemachte Ginsengwurzeln:

eingemachte Ginseng Wurzeln

Nach dem Abend in einem Irish Pub und einem anschliessenden Spaziergang bei Nacht am Haeundae Strand (an dem selbst um 3 Uhr nachts noch koreanische Musikanten ihre Gitarren- und Gesangskuenste zum Besten geben, sehr romantisch) ging es in unser Hotel direkt am Meer. Ein schoener Anblick war es morgens das Fenster aufzumachen mit Ausblick in den weiten Ozean. Das hat dann selbst die zweistuendige, naechtliche Mueckenjagd durchs Hotelzimmer wieder ausgeglichen. In dieser Nacht hab ich uebrigens getraeumt, das mein Heimatdorf ueberflutet wird. Nundenn. Der Soundeffekt der schlagenden Wellen bei Nacht war schuld. Der naechste Tag wurde bei herrlichem Wetter am Strand verbracht und ich konnte es mir nicht verkneifen gegen Abenddaemmerung hunderte Bilder zu knipsen. Ich glaube im Sekundentakt.

Sunset in Steps ... ... ... ... ... ... ... Korean Couple

Da es ja nun bereits Herbst ist und allmaehlich definitiv auch frisch wird (was fuer Mitte/Ende November irgendwie auch dringend angebracht ist), hier ein paar Herbstbilder vom Campus meiner Uni. Im ersten unser stolzer Ginko-Baum, der im Jahr 1519 dort gepflanzt wurde, und der im Herbstkleid atemberaubend schoen aussieht. Die Kids im letzten Bild sind uebrigens oefter mal auf unserem Campus, beziehungsweise sind es wohl immer verschiedene Kids. Was genau sie dort tun und aus welcher Zeit sie hier im 21.Jahrhundert angereist sind, hab ich noch nicht herausgefunden.

Unser Ginkobaum Schulweg Campus Kids

Nur so am Rande: irgendwann in den vergangenen Wochen war ich in einem kleinen, unscheinbaren Restaurant essen. Das Bild hier hab ich fuer meine Mum gemacht. Haette dir doch sicherlich gefallen dort, oder?! Zunge raus

Mutti wuerde sich hier wohlfuehlen :)

Ich bin weiterhin auch ueber etwas "aeltere" Bilder aus dem Ordner "Frank" gestolpert. Frank, da es der Anonymitaet entspricht und du nirgendwo abgebildet bist, hab ich mir mal die Freiheit genommen ein paar wenige Bilder hier reinzustellen. Da ich keine Fotos von dem Trip zur Joint Security Area habe (dem Grenzgebiet zu Nordkorea) und mich auch bei dem wundertollen Seoultower auf deine Fotographenkuenste verlassen habe, hier ein paar Bilder meines Ausflugs, als Frank mich in Seoul besuchen war. Auch schon eine Weile her...

Joint Security Area: Im ersten Bild Ausblick auf Nordkorea. Bild 2 und 3 zeigen suedkoreanische Soldaten in Taekwondostellung an der Grenzlinie und wenn man im 3. ganz genau hinsieht, erkennt man den nordkoreanischen Soldaten, der uns durch seine Okulare angestarrt hat. Bild 4: Konferenzraum, welcher direkt auf der Grenze stand, rechts neben dem Tisch stand man in Nordkorea, links neben dem Tisch in Suedkorea. Den, nunja, nicht sonderlich "eindrucksvollen" Grenzstreifen sieht man im 5. Bild rechts. Ja das ist die gefaehrliche, schaurige, furchteinfloessende Grenze. Bild 6: Die US-Soldaten (ohne die wir die Joint Security Area nicht betreten durften) haben uns einen netten kleinen, wie ich es nenne, "Propaganda-Film" gezeigt. Frank und ich waren uns einig: Propaganda wird auf beiden Seiten, Nord wie auch Sued, nicht gerade unterschwellig, sondern ziemlich eindeutig angewand.

NordkoreaJoint Security AreaJoint Security AreaKonferenzraum auf der GrenzeGrenze Nord SuedPropaganda Unterricht *hust*No Pictures please :)

Seoultower mit Ausblick auf Seoul bei Nacht. Rundum ein eindrucksvolles Lichtermeer:

BrunnenSeoultower Blick auf SeoulSeoul vom Seoultower aus  Seoul bei NachtSeoul bei Nacht Seoul bei Nacht

Nundenn, bis Ende Dezember dann Lachend

Donnerstag, 20.10.2011

Shout your Fame!

http://vimeo.com/29829215

Mittwoch, 28.09.2011

Fallen und Tanzen

Konfuzius sei Dank für diesen neuen Blogeintrag. Der Gute hat nämlich heute Geburtstag und da die Sungkyunkwan Universität als konfuzianische Eliteuni bekannt ist, gibt es hier zur Feier des Tages vorlesungsfrei. Somit muss ich auch nicht zur Uni. Happy Birthday Konfuzius! Es ist ja nun bereits über ein Monat vergangen, seitdem ich wieder in Seoul bin und es wäre eine saftige Lüge zu behaupten, mir wäre in irgendeiner Weise die Decke auf den Kopf gefallen.

Direkt nach meinem Urlaub in Busan bin ich zum ersten Mal mit koreanischen Freunden nach Itaewon gegangen. Und das nach über einem halben Jahr Aufenthalt in Seoul. Berühmte Gegend für Ausländer zum Partyfeiern. War definitiv das Erste und letzte Mal, dass ich dort war. Man fühlt sich wie auf dem Spielplatz der US-Army Base. Moment, es IST der Spielplatz der US-Army Base. Die ist nämlich direkt nebenan und das erklärt den hohen Anteil an betrunkenen US-Soldaten und den ab und an vorkommenden Schlägereien. Ich hab mich dort mit dem Englischlehrer, den ich in Japan kennengelernt habe, getroffen. War immerhin ein nettes Wiedersehen.

Nach diesem Wochenende begann das neue Semester. Koreanisch lerne ich nun ohne Kurs im Selbststudium. Japanisch allerdings auch, was dann doch zu den ein oder anderen vokabularischen Verwirrtheiten, mancherlei verzweifelter Aggressionsgebärden durch das Fluchen japanischer und koreanischer Schimpfwörter, sowie zu einem gelegentlich aufkommenden trotzigen Ich-Spreche-Jetzt-Nur-Noch-Englisch-Mit-Dir führt.

Um das Hirn auf Trab zu halten setzt man sich dann (Achtung, Satzmonster!) in die Vorlesung für Analytische Philosophie, die man ja eigentlich gar nicht belegen müsste, es aber trotzdem tut, da man sich schon immer mal fragen wollte, wo eigentlich der Beweis liegt, dass die Realität real ist und man kein sich in einem Reagenzglas befindendes Gehirn ist, das von einem verrückten Wissenschaftler durch Elektroimpulse dazu veranlasst wird, sich der Illusion, man befände sich auf einem sogenannten Planeten Erde mit anderen Lebewesen, Stühlen, Tischen und Nudelsuppen, hinzugeben. Das ganze versucht man dann mit mathematisch ähnlichen Formeln zu analysieren und trifft dabei – wen wundert’s – auf die ein oder anderen tückischen Komplikationen. Mein Professor ist immerhin waschechter Brite, was mich dazu veranlasst ihm stundenlang zuhören zu können, da ich den britischen Akzent ungemein toll finde.

In einem anderen Kurs hat sich mir ein weiterer interessanter Fakt dargeboten: Einer meiner Klassenkameraden ist Nordkoreaner. Geflohen aus dem Norden und übergelaufen in den Süden. Er spricht nicht sonderlich viel mit den anderen und platziert sich zu jeder Vorlesung in eine einsame Ecke. Umso mehr hatte es mich überrascht, als er mich neulich fragte, ob ich mich nicht neben ihn setzen wolle und mit ihm reden mag. Er hätte noch nie ausländische Freunde gehabt. Ich habe eigentlich einen ganzen Fragenkatalog an meinen neuen Sitznachbarn, aber ich bin sehr vorsichtig und falle garantiert nicht mit möglichen unangenehmen Fragen über ihn her. So haben wir uns bisher lediglich über seine Heimatstadt und das Wetter in Nordkorea unterhalten. Das Wetter. Jede interessante Begegnung fängt mal klein an.

Was gab es noch so in den letzten Wochen. Achja, mein Geburtstag. Nichts Besonderes eigentlich. Ich war lediglich mit einer japanischen Freundin mittags in einem Japanischen Restaurant und abends mit einem koreanischen Freund in einem Koreanischen Restaurant und – wie sollte es auch anders sein – in einer Bar, in der mit ein wenig Soju angestoßen wurde. Er und ich waren übrigens zeitgleich in Japan, konnten uns aber leider nicht treffen, da der Zeitplan nicht gepasst hat. So blieb es nur beim fröhlichen Austausch von Geschichten und Bildern.

Changsoo konnte ja an meinem Geburtstag leider nicht in Seoul sein, da es drei Stunden von seiner Stadt bis hierher sind. Dafür ging es am darauffolgenden Wochenende zum Geburtstagsdinner in ein Deutsches Restaurant mit dem äußerst „kreativen“ Namen ‚Bärlin‘. Endlich. Nach über einem halben Jahr lag da ein Schnitzel mit Jägersoße und Spätzle vor mir. Dazu ein eiskaltes Krombacher. Die Welt war in Ordnung. Und es hat sogar genauso geschmeckt wie in Deutschland auch.

Jägerschnitzel! Restaurant Bärlin

Das Geburtstagsgeschenk von mir an mich selbst waren die Karten zu einem Konzert. Und die Band dürfte nun jeder kennen. Linkin Park waren in Seoul (Olympic Park) und da gehe ich natürlich hin! Auch wenn ich ihre Musik kaum noch höre, erinnert es mich doch an die letzten 10 (!) Jahre meines Lebens. Keine Band habe ich wohl so oft gehört wenn die Seele ihre Aggressionen hinausschreien wollte. Live waren sie der Wahnsinn und erklangen die ersten Töne von Songs wie „In the End“, „Faint“, „One Step Closer“ oder „Crawling“ wusste ich wieder warum mich ihre Musik ein Jahrzehnt lang begleitet hat. Vorher gab es natürlich mal wieder einen tollen Sonnenuntergang.

Seoul Olymic Park Die Skulptur stand da so herum Sunset Sunset Sunset

Die Woche darauf war Chuseok, Koreanisches Thanksgiving. Das Wochenende wurde so um zwei Tage verlängert und ich habe eine genügsame Zeit mit meinem Freund und einer gehörigen Ladung Nichtstun, Filme schaun, Soju trinken und alles was nicht wirklich viel mentale Energie kostet, verbracht. Den letzten freien Tag ging es dann allerdings schon wieder an das Schreiben zweier Aufsätze.

Ein negativer Aspekt, der mich zwei Wochen lang begleitet hat, war das plötzliche und nervige Auftreten einer hinterhältigen Neurodermitis-Attacke, das gegen sämtliche Heilsalben resistent zu sein schien. Erfolglos wollte Changsoo mich zum Arzt schleifen, denn was dieser mir erzählt hätte, wäre auch nichts Neues gewesen. So plötzlich wie es kam, ging es letzten Endes auch wieder weg.

Allmählich komm ich dann auch schon in der Gegenwart hat und kann zum Abschluss vom letztem Wochenende berichten. Volles Programm war endlich mal wieder angesagt. So ging es am Freitagabend auf ein Drum-Festival, zu dem auch Künstler aus Japan und China eingeladen waren. Auf einem Plaza mitten im Zentrum Seouls, saßen wir auf einer Wiese, umgeben von Hochhäusern, und lauschten traditionellen Japanischen, Chinesischen und Koreanischen Trommeln und Flöten, gefolgt von bunten Tänzen und der allseits währenden Frage, welches Land denn nun am besten Trommeln kann.

Kandidat Japan Drum Festival Drum Festival

Früh ging es ins Bett, denn am nächsten Morgen trafen wir uns um 7:30 Uhr zu einer Aktivität, die bei jedem einzelnen meiner Begleiter auf der „Things-I-Want-To-Do-Before-I-Die-List“ stand.  Auf ging es zum Bungee Jumping! Wir waren ein fröhliches Internationales Trüppchen, doch ahnten wir nicht, dass wir uns auf einen 12-Stunden-Trip begaben. Als wir beim Bungee Jump Tower ankamen (der 2 Stunden entfernt lag) wurde uns gesagt, dass ein Tag vorher unerwartet irgendein Kabel gerissen war. Übrigens war das unser zweiter Versuch zum Bungee Jumping. 3 Wochen zuvor sind wir schonmal erfolglos dagewesen. Da wurde uns gesagt, dass das Wetter nicht gut genug sei. Nachdem einige ihren Verschwörungstheorien freien Lauf ließen (womöglich möchte eine höhere Gewalt nicht, dass wir springen), dachte sich der Rest „Koste es was es wolle“ und so ging es weiter zum nächsten Bungee Jump Tower, weitere 2,5 Stunden entfernt. Die Strecke wurde stehend zurückgelegt, da die Subways voll waren und als wir endlich beim Tower waren, waren einige von uns schon fast zu erschöpft um zittrige Knie zu haben. Nach einigem Warten, Anweisungen und Sicherheitsvorkehrungen ging es endlich zum Springen. An der Stelle darf ich zugeben, dass das Ganze mehr Überwindung kostet als mein vorheriger Fallschirmsprung. Diesmal hängt kein Tandempartner hintendran. Diesmal muss man den Schritt über die Schwelle zum Fall alleine machen. Ich denke, das widerspricht ganz gehörig der biologischen Natur eines Lebewesens. Nichts destotrotz, das Feeling war genial! Die lange Anreise und Komplikationen hatten sich ausgezahlt und die wenigen Sekunden waren es vollkommen wert. Der Tower lag übrigens über einem See, der wiederum umgeben von wunderschönen Bergen war. Traumhafter Ort zum Springen. Nach leckerer Mahlzeit ging es dann die gesamte Strecke wieder zurück, danach noch in eine kleine Bar und danach totmüde ins Bett.

Tower 1, immerhin war die Gegend ein schöner Anblick ... ... ... Gruppenfoto der Springer müde auf der langen Anreise Endlich, Tower 2, sogar 10m höher skeptische Blicke nach oben ... kurz vorm Sprung eins meiner Lieblingsgerichte direkt am Tisch zubereitet mhhh ... wiedermal ein Sonnenuntergang und ein schöner, wie immer

Am Sonntag gleich das nächste Festival. Als ich in Japan war, musste ich ja ein wenig wehmütig feststellen, dass ich keine Gelegenheit hatte, ein traditionelles Matsuri (Japanisches Festival) zu erleben. Ich konnte ja nicht wissen, dass Japaner und Koreaner sich mittlerweile so „lieb“ haben und ihre Festivitäten auch im Nachbarland veranstalten. Seit einigen Jahren gibt es das japanische Matsuri auch in Seoul. Viele wichtige Persönlichkeiten japanischer Kulturorganisationen waren geladen und auf der Bühne gab es einen herzergreifenden Dialog. Ein koreanischer Totentanz zum Gedenken der japanischen Opfer des Erdbebens leitete die Festlichkeiten ein. Die Japanischen Organisatoren bedankten sich für die enorme Unterstützung aus Korea während der Katastrophe. Ein berühmter japanischer Sänger trällerte daraufhin in atemberaubender Stimme das unglaublich schöne Titellied zu dem Anime „Prinzessin Mononoke“; ein koreanischer Sänger folgte mit einer durchdringenden Variante von „You raise me up“. 7 Stunden lang folgten japanische und koreanische Performances, die sich nicht jeweils übertrafen sondern rührend ergänzten. Yakudo Tänzer aus Japan tanzen zusammen mit Theatergruppen aus Korea. Ein Japanisches Orchester spielte Arirang. Die in Lack und Leder gekleideten Mädels von Drumcat lieferten plötzlich eine Trommelshow mit Schlagzeug, Feuer und… Rammsteinmusik! Ich durfte den wohl äußerst seltenen Anblick genießen wie ältere koreanische und japanische Herrschaften zu Rammsteins „Du hast“ mit wippten und klatschten! Was es nicht alles gibt hier in Korea… Der Song lief übrigens vergleichsweise so laut wie auf einem Konzert. Anschließend gab es eine moderne Trommelvariante von „Freude schöner Götterfunken“ und ich war mit der Auswahl deutscher Songs, eingebettet in eine definitiv heiße Show äußerst zufrieden. Der Tag ging dem Ende nahe. Um mich herum sprangen noch immer Koreanische Damen im traditionellen Hanbok und Japanische Damen im Kimono und Yukata. Akteure vermischten sich mit Zuschauern und klatschten den Japanischen Laternenträgern in ihren weißen Shorts (über das Sexappeal lässt sich hierbei gehörig streiten) Beifall. Wie überall auch gab es Gesichtsmalereien und Zuckerwatte und kleine Japanische Kinder tollten gekleidet in wafuku umher. Oder waren es koreanische Kinder? Manchmal war ich mir plötzlich nicht mehr sicher und irgendwie hatte es doch auch gar nicht so viel Bedeutung. Morgen geht es wieder in den Geschichtsunterricht. Dann wird mir wieder klar, was dieses Festival so besonders macht. Man hat aufgehört aufeinander zu schießen. Heute tanzt man miteinander.

Japan Festival Seoul Tower  Japaner beim Lauschen des Mononoke Hime Themes TV-Übertragung natürlich am Start Seoul Plaza ... ... ...

Meine Favoriten, YAKUDO:

Dienstag, 20.09.2011

Die rote Königin - Gedanken aus dem Wunderland

Der erste Monat in Seoul ist schon wieder vorüber. Ich habe längst aufgehört mich darüber zu wundern, dass hier die Zeit so schnell vergeht. Jeder, der hier lebt, beklagt sich, dass diese Stadt schneller ist als man selbst. Sie schläft nie. Sie sieht an keinem Tag gleich dem Tag zuvor aus. Wie oft laufe ich durch die mir vertrauten Straßen und muss feststellen, dass eines meiner Lieblingsrestaurants verschwunden ist und plötzlich ein Nagelstudio an der gleichen Stelle steht. Ein Subway sprießt plötzlich an der Straßenecke heraus, gleich neben dem Café, das noch gestern ein Schuhladen war. Die Läden unten an der Straße ändern kontinuierlich ihre Platten nach den aktuellen Pop-Hits - und die kommen und gehen im gefühlten Stundentakt. Wie, du trägst noch das was gestern "in" war? Die Uni hat kaum angefangen, da stehn auch schon bald die Mid-term Examen vor der Tür. Und ohne Kaffee ginge hier die Welt für viele unter. Seoul ist wie das Wunderland, durch das auch Alice lief -

"Und die Königin schien ihre Gedanken zu erraten, da sie schrie: 'Schneller! Versuche nicht, zu reden!(...) hier, siehst du, musst du so schnell rennen wie du kannst, um auf derselben Stelle zu bleiben. Wenn du woanders hin willst, musst du zweimal so schnell rennen!'"

Man nennt das den "Red-Queen-Effekt". Der evolutionäre Wettlauf, angestachelt durch Ansprüche derer, die da um ihr Leben rennen. Die Langsamsten und Leistungsschwächsten scheiden unerbittlich aus dem Rennen aus. Und das Problem aller Läufer? Je mehr sie mit dem Rennen beschäftigt sind, desto weniger Zeit haben sie, sich umzusehen, innezuhalten, nachzudenken, einen Ausweg aus diesem Laufband zu finden.

Mir erscheint es so, als würde diese Gesellschaft hier (wobei ich das nur mit Fokus auf Seoul sagen kann) von in erster Linie drei Ansprüchen angetrieben werden. Geld. Schönheit. Anerkennung. Letzteres resultiert bedauerlicherweise oft aus ersteren Beiden. Geld, Status und Karriere sind für fast jeden einzelnen Koreaner, den ich danach gefragt habe, das einzige Ziel, auf das sie hinarbeiten. Dahinter der familiäre Zwang. „Wieso hast du dich für deinen Studiengang entschieden?“ – „Weil meine Eltern es so wollten.“ Verständlich wird dieses Dilemma, wenn man bedenkt, dass viele Eltern für die enorm, abnorm hohen Studiengebühren ihrer Kinder aufkommen. Hier in Südkorea bedeutet das bei vielen jährlich über 5.000€. Korea im Bildungs- und Leistungswahn. Wenn ich manche Koreaner frage „Was sind deine Hobbies?“ bekomme ich nicht selten einen leeren, fragenden Blick als Antwort. Vor einigen Jahren schon war das eine der Waffen Südkoreas, mit dem es seinen Aufschwung und seine Blüte gemeistert hat: Bildung. Dass Bildung gleich schnelleren Fortschritt bedeutet hat man hier schnell erkannt. Die Position, die man in diesem Fortschrittsprozess jedoch inne hat, entscheidet der Name der Universität. Wer von den berühmten Top 3 kommt wird definitiv bevorzugt. Ein wahnwitziger Notenwettkampf, um einen Platz dort zu bekommen, ist das Resultat. 17 Examen in einem Semester? Alltag. 2-4 Stunden Schlaf pro Nacht? Höchstens.

Nach dem Schulabschluss folgen dann erst einmal zwei Jahre Militärdienst. Wer den verweigert wird mit bis zu 18 Monaten Gefängnis bestraft. Neulich erst hat sich ein 19-jähriger Soldat in den Kopf geschossen. Kurze Zeit später hat ein weiterer sich versucht mit einer Granate in die Luft zu sprengen und bei dem Versuch vier andere Soldaten getötet. (Übrigens hat man vor einiger Zeit auch ein Passagierflugzeug bombardiert, weil man es fälschlicherweise für ein feindliches nordkoreanisches Flugobjekt gehalten hat.)

Wie dem auch sei, ist die Ausbildung und der Militärdienst abgeschlossen folgt das Arbeitsleben. Südkorea hat hierbei die längsten Arbeitszeiten aller OECD Länder. Ähnlich der Japaner ist das hier wahrlich eine Nation von Workaholics. Urlaub wird nur selten genommen. Gewerkschaften sind nicht sehr stark. Wer seinen Job verliert, verliert jegliche gesellschaftliche Anerkennung und damit bröckeln die Säulen des Selbstbildnisses. Geld. Schönheit. Anerkennung. Ohne Status und Karriere sieht ein Leben hier ungemein schwer aus. Die Maschinerie läuft. Die Räder drehen sich. Zu welchem Preis? Auf wessen Kosten? Die Antwort ist nicht schwer zu finden. Die steht am Ende.

Die dritte Säule des Selbstbildnisses: Schönheit. Korea im Schönheitswahn. Ich habe schon mal erwähnt, dass in keinem Land der Welt die Rate der Schönheits-OPs so grandios hoch ist wie in Südkorea. Eltern schenken ihren Kindern zum Schulabschluss einen OP-Gutschein. „Hier Liebes, änder‘ deine Nase, deine Wangen, deine Stirn, dann hast du bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“ Das Erschreckende: Sie haben recht. Man hat bessere Job Chancen. Die meisten bekommen die erste Operation in der Zeit der High-School. Meist werden die Augen operiert, um „westlicher“ zu wirken, größer und weniger asiatisch. Propagiert durch das Schönheitsideal einer Gesellschaft, die sich in ihrer herkömmlichen Schönheit selbst nicht genug zu sein scheint (dabei haben meines Erachtens nach Koreaner mitunter die schönsten Augen der Welt). Auch unser Präsident ist zweimal operiert. Ein Tabu ist es schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Überall in unzähligen Metrostationen hängen Plakate, die Operationen propagieren und ‚hässliche‘ Menschen degradieren. Meinen eigenen Freund konnte ich erst nach wochenlangem Zureden dazu bewegen, sich NICHT unters Messer zu legen, um sich die Augen zu operieren. Selbst unter männlichen Koreaner schon akzeptable Routine. Zum ersten Mal in seinem Leben beginnt er darüber nachzudenken, dass diese Gesellschaft ihm womöglich einen Brainwash verpasst hat.

Südkorea. Platz 1 in der Höhe der Arbeitszeiten, dem Arbeitswahn, dem Leistungswahn. Platz 1 in der Rate der Schönheitsoperationen, dem Schönheitswahn. Unglaublich hoher gesellschaftlicher Zwang der Beste, der Schönste, der Schnellste zu sein. Letzten Endes liegt in all dem wohl auch der Grund für den nächsten Platz 1: Die Rate der Suizide. Jeden Tag sterben in Südkorea durchschnittlich ca. 35 Koreaner durch eigene Hand. Damit liegt Südkorea an der statistischen Spitze aller industrialisierten Länder der Welt. Unter Koreanern in ihren 20er und 30er Jahren ist Suizid Todesursache Nummer Eins. Jede Woche lese ich in der Koreanischen Zeitung von Schülern und Studenten, die sich aufgrund schlechter Noten, Stress oder Mobbing das Leben nehmen; Menschen, die sich entscheiden zu sterben, weil sie sich hässlich fühlen; Gruppensuizide, die im Internet organisiert werden; junge Soldaten, die sich in den Kopf schießen, die in erster Linie nie darum gebeten haben, dass man ihnen eine Waffe in die Hand drückt; Arbeiter, Beamte, Geschäftsleute, deren Erfolgsdruck im Han-River endet.

Die Maschinerie läuft. Die Räder drehn sich. Und das ist der Preis, den diese Gesellschaft bereit ist zu zahlen. Die Kosten für Südkoreas moderne Erfolgsgeschichte sind nicht selten die Leben derer, die dem Druck nicht standhalten können oder im Rennen einfach nicht mehr mitspielen wollen.

"Hier, siehst du, musst du so schnell rennen wie du kannst, um auf derselben Stelle zu bleiben. Wenn du woanders hin willst, musst du zweimal so schnell rennen.“

Die meisten Menschen rennen hier zweimal so schnell. Andernfalls würde der laute Schrei der Königin ertönen... "Kopf ab!"

Freitag, 09.09.2011

The last days of Summervacation

Nachdem ich im Hafen Busans angekommen bin (in dem einem übrigens im Gegensatz zu Japan sofort Hilfe beim Koffertragen angeboten wird), wurde ich von Changsoo an der Busan Station abgeholt. Gerade als ich ankam, begann eine überraschende Lightning-Show an der Fontäne der Station. Wasser schoss im Takt mit musikalischer Untermalung von einer epischen Arirang-Variante bis zum modernen K-Pop Gedräller mit Diskolichtern und einem glimmernden "Welcome to Busan" am Ende.

Busan Station Busan Station Busan Station Unser Hotel, oberstes Stockwerk Ligthening Fountain Busan Station...BBQ, so hochkonzentriert, dass man ihn besser nicht dabei stört...

Busan ist übrigens die zweitgrößte Metropole Koreas und mit 3,6 Millionen Einwohnern ist hier immernoch mehr Getummel als in Berlin. Nach einem Tag in der Innenstadt folgte ein Tag am Strand mit leider etwas tristem Wetter zu Beginn, das sich dann gegen Ende doch noch zum Guten gewendet hat. Vom Strand ging es über hügelige Landschaft und Hängebrücken durch den anliegenden Park mit wundervollem Blick auf's Meer.

lonely Man  Haeundae Beach Haeundae Beach ... ... ... ... Haeundae Park Route ... ... ... ...  ...    Busan... ... ... .........Busan City im Sonnenuntergang...

Danach hieß es Taschen wieder packen und mit dem KTX-Train dorthin wo der Alltag wieder auf mich wartet. Natürlich mit neuen Gesichtern, neuen Kursen, neuen Erfahrungen, neuen Aufgaben und altem Vertrautheitsgefühl. Zurück nach Seoul.

Samstag, 03.09.2011

Von Fukuoka nach Busan - Welcome back

Sonntag früh morgens um 7 ging es mit schwerem Gepäck durch die verregneten Straßen Hiroshimas. So in etwa wusste ich wo das nächste Busterminal lag. Nachdem ich den Fängen eines hentai entronnen bin, der am Eingang von eben diesem Terminal lauerte, ging es mit dem Bus gen Süden nach Fukuoka. (Wer wissen möchte was ein hentai ist, frage bitte den nächsten Japaner, den er trifft.) Hier in Fukuoka wartete meine Fähre zurück nach Korea. Ich bin viel zu früh am Hafen angekommen und musste dementsprechen etwas Zeit mit meinen letzten Japanischen Menü und viel Kaffee verbringen. Die Menükarte war auf Koreanisch. Die im Fernseh laufende Gameshow auf Japanisch. Die Welten kreuzen sich wohl in den Häfen. Der Rest der wartenden Passagiere waren entweder heimkehrende Koreaner oder urlaubmachende Japaner.

Mein Fähre Der letzte Blick auf die Japanische Insel

Drei Stunden dauerte die Fahrt und das Wetter war nicht gerade das ansprechendste. Der Himmel war bewölkt, das Meer war grau. Der letzte Ausblick auf die Japanische Insel war dann doch eher ein etwas trister. Nach einiger Zeit Fahrt auf grauem Wasser erschien Korea endlich am Horizont. Und als es da erschien, bekam ich unerwartet einen 'Welcome back' Anblick, der seinesgleichen sucht...

... ... ... ... ... ... ...

Samstag, 03.09.2011

HIROSHIMA: Eines ganz normalen Morgens um 8:15 Uhr

"A dragonfly flitted in front of me and stopped on a fence. I stood up, took my cap in my  hands, and was about to catch the dragonfly when..."

...when the worlds first atomic bomb was dropped. Es war 8:15 Uhr und 17 Sekunden, 6. August 1945. Innerhalb von 43 Sekunden nach der Explosion waren 80% der Innenstadt Hiroshimas dem Erdboden gleich gemacht. Fast 80.000 Menschen waren auf der Stelle tot. Das obige Zitat las man im Eingangsbereich des Peace Memorial Museum Hiroshima. Hier kam ich, nachdem ich mein Youth Hostel in Osaka verließ, um mit dem Reisebus vier weitere Stunden zu meinem nächsten Youth Hostel in Hiroshima zu fahren, an. Mein letztes Wochenende in Japan begann hiermit. Ich erreichte Hiroshima Freitagabend. Mit dem Bus zu fahren ist übrigens für mich eine feine Sache, da man ziemlich viel von Japans Natur sehen kann. Ich möchte mal behaupten, dass das keine verschwendete Zeit ist. Den Tag darauf habe ich größtenteils im Peace Memorial Museum und dem anliegenden Park verbracht. Ich wollte jedes Detail erfahren und jeden Eindruck mitnehmen. Außerdem hat es den ganzen Tag über stark geregnet, was andere Unternehmungen wortwörtlich ins Wasser fallen ließ. Der Tag hat definitiv Spuren hinterlassen, die einen sehr nachdenklich stimmen. Unzählige Fotos von vollkommen verbrannten Menschen und einer brennenden Stadt, in der schwarzer Regen fiel, ließen einen mit einem Gefühl zurück, dass es die Hölle auf Erden tatsächlich gab. Genau hier in dieser Stadt, in der ich nun von grünen Bäumen umgebend stand. Bäume, von denen man dachte, dass sie für 70 Jahre nicht mehr blühen können.

Kleine Anmerkungen zu den folgenden Bildern:

Bild 2: Ehrengrabmal, auf dem alle Namen der Opfer eingraviert sind. Schaut man hindurch, sieht man die Flamme des Friedens und den Atombomben Dom. Ein Japaner steht davor und betet. Zwischen all den Blumen steht geschrieben: "安らかに眠って下さい 過ちは 繰返しませぬから": "Rest in Peace, for we shall not repeat the error")

Bild 3: The Flame of Peace. Brennt seit sie angezündet wurde in 1964.

Bild 5: Children's Peace Monument. Die Statue wurde nach der Geschichte von Sadako Sasaki errichtet. Ein Mädchen, dass viele Jahre nach dem Atombombenabwurf an Radioaktivität starb. Sie faltete 1000 Papierkraniche, in der Hoffnung sie hätte einen Wunsch frei - gesund zu werden. Kinder aus der ganzen Welt basteln heute Papierkraniche und schicken sie nach Hiroshima, wo sie unter dem Denkmal platziert werden.

Bilder 6 - 12: Der bekannte Atombomben Dom. Er stand unmittelbar in Nähe der explodierenden Atombome und wurde als Andenken so erhalten, wie er an jenem Tag aussah.

Bild 11: Der Atombomben Dom von der Aioi-Brücke aus (die Stelle, an der die Bombe fiel)

Bild 16: The Peace Watch. Schlägt jeden Morgen um 8:15.

Bild 17: The Bell of Peace. Jeder kann sie läuten, gesponsert aus Griechenland mit der Inschrift des Sokrates "Nosce te ipsum". Erkenne Dich Selbst.

Bild 18: Hier liegt die Asche der Opfer begraben. Davor steht eine Gruppe betender Japaner.

Bild 19: Hat mich äußerst erfreut, das hier zu finden. Das Denkmal für die koreanischen Opfer und Überlebenden. 45.000 Koreaner wurden damals getötet oder der Strahlung ausgesetzt, da zu der Zeit des Zweiten Weltkrieges hunderttausende Koreaner als Zwangsarbeiter in Japan stationiert waren.

Bild 25: Damals waren es verbrannte Körper, heute sind es Kirschblüten.

Gemeinschaftsraum meines Hostels Memorial Cenotaph Flame of Peace Peace Memorial Museum The Statue of the A-Bomb Children A-Bomb Dome A-Bomb Dome   A-Bomb Dome A-Bomb Dome A-Bomb DomePoint of dropped Bomb (Aioi-Bridge)A-Bomb DomeChildren   Memorial for the StudentsMemorial for the Students  Peace Watch Tower Bell of Peace A-Bomb Memorial Mound Monument for the Korean Victims Flower Trees More Trees Exit Mother with dead Child Blüten Just a street Hiroshima 2011

Was gibt es abschließend noch zu sagen? Ein kleines Schild in Hiroshima hatte ganz treffende Worte gefunden. Und spricht es im Namen Japans, ist es nicht nur eine Aufforderung zum Gedenken und Lernen, sondern zugleich noch eine äußerst respektable Selbstreflektion:

"The atomic bomb dropped on Hiroshima created enormous suffering at the time, of course, but it continues to cause suffering today among those who were exposed. The never-ending pain and anxiety they inflict are what makes such weapons inhumane. But we must never forget that nuclear weapons are the fruits of war. Japan, too, with its colonization policies and resulting wars inflicted incalculable and irreversible harm on the peoples of many countries. A critical examination of not just the atomic bomb but also war and the causes of war is prerequisite to learning the lessons of history."

Auf dem Dach meines Hostels habe ich später den letzten Abend in Japan verbracht. Es hatte letztenendes doch noch aufgehört zu regnen und so saß ich dort oben und ließ meine 2 Wochen in Japan auf mich wirken. Irgendwo eine Straße weiter kamen die lauten Töne eines wohl dort stattfindenden Festivals zu mir herüber. Mit traditionellen japanischen Gesängen, Flötenmusik und Taiko-Trommeln im Ohr verabschiedete ich mich von Japan. In den Bäumen am Straßenrand hörte ich die Semi zirpen. Ich hatte den Eindruck, als klänge es ein wenig nostalgisch.

Dienstag, 30.08.2011

KYOTO: In der Stadt der alten Kaiser

Am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen, um mit der Bahn eine Stunde in die ehemalige Hauptstadt Japans, der Stadt mit dem bekanntlich am meisterhaltenen traditionellen Charme zu fahren. Kyoto. Hier residierten die alten Monarchen Japans. Und dank des guten Schicksals blieb es fast unangetastet vom Zweiten Weltkrieg. Wenn ich alleine reise, heißt das dennoch nicht, dass ich alleine meine Tage verbringe. Couchsurfing. Auf meine Anfrage, ob sich im weiten Japan wohl irgendwer erbarmt und mir Kyoto zeigt, kam prompt eine Antwort von einem weiteren Student. Jun, Japaner, aufgewachsen in Tokyo und nun Student an der Kyoto-Universität. Auf halber Strecke zu unserem Treffpunkt jedoch, habe ich mir während ich im Zug saß, die Frage gestellt, warum dieser so lahm ist und festgestellt, dass ich in einem Local-Train und keinem Express-Train saß, was mich in etwa eine Stunde zu spät zu unserem verabredeten Treffpunkt gebracht hätte. Panisches Analysieren der japanischen Zugstrecke (deren Karte by the way nur in Japanisch war) brachte mich zu dem Plan hier und da auszusteigen, umzusteigen und zehn Minuten später saß ich in einem Express-Train. Kanjilesen kann Leben retten. Ich kam trotzdem eine halbe Stunde zu spät und dachte mir einen Notfallplan für eine einsame Besichtigung Kyotos aus, als mich plötzlich ein junger Japaner antippt und fragte, ob ich ‚Betschi‘ heiße. Einige Sekunden hat es in meinem Kopf gedauert bis ich merkte, dass er Beccy meint. Mit überbreitem Grinsen konnte ich ihm gar nicht genug danken, dass er auf mich gewartet hat. Mit ihm war ein 19-jähriger Student aus Indonesien, der auch Couchsurfer war.

Zu dritt sind wir also losgezogen und Jun hat uns die absolut schönsten Ecken Kyotos gezeigt. Angefangen am Kinkaku-ji Tempel (金閣寺 The Temple of the Golden Pavilion), einem Tempel komplett aus Gold, der auch zum Weltkulturerbe zählt. Der Tempel an sich war nicht einmal das eigentlich Schöne, sondern vielmehr das gesamte Drumherum. Alles sah hier – wie sollte es auch anders sein in Japan – perfekt aus. Am Wegrand hat Jun ganz enthusiastisch einen ungemein seltenen Käfer namens Tamamushi gefangen und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Bäume gesehen, die mit Baum-Energiedrinks ausgestatten waren.

Kinkaku-ji, der goldenen PavilionEingebettet im Garten......JunUnd wieder diese herrlichen DächerLittle WaterfallDas Grab einer weißen Schlange umgeben von Münzen. Weiße Schlangen sind ein gutes Omen in Japan.Wofür das Steintürmchen war, wusste keiner so recht...TamamushiBaum-Energiedrinks...

Weiter ging es zum Ryōan-ji Tempel (竜安寺The Temple of the Dragon at Peace), mit dem berühmten Zen-Garten, ein Garten komplett aus Stein, der ebenfalls Weltkulturerbe ist. Als wir dort saßen, hab ich zuerst angestrengt versucht den ästhetischen Gehalt und Sinn zu erkennen, bis Jun mir gezeigt hat, dass wenn man eine Weile davor sitzt, in sich geht und seinen Kopf frei macht, man die großen Steine als Berge sehen kann, die unzählig kleinen wie Wasser, das in Strömungen um sie herum fließt. Und wahrlich: Sie schienen tatsächlich zu fließen. Nichts ist starr. Alles fließt. Mit dieser buddhistischen Erkenntnis ging es weiter durch die traditionellen Straßen Kyotos, in denen die Damen sogar noch in Kimonos umherlaufen und auch der ein oder andere Herr in traditioneller Kleidung daherkommt. Vorbei am imposanten Kabuki-Theater, den typischen japanischen Restaurants, Läden und Häusern… Kyoto – Neben seiner Modernität schien hier an manchen Ecken die Zeit stehen geblieben zu sein. Als kümmerten sich die hier lebenden Japaner nicht um das Heititai de Rests der Welt. Wieder hatte mich Japan mit seinem einmaligen Charme gefesselt. Durch die Authentizität einer Stadt, die so typisch japanisch war, dass man gar nicht umhin kommt, Japan als einzigarten, eigenen Kulturkreis zu sehen. (Zur Hölle mit dem Satz „Die Asiaten sind doch alle gleich.“)

Zen-GartenZen-GartenHier konnte man sitzen mit Ausblick auf den GartenWasserspender...Kyoto CityKyoto City...Dame im Kimono in alten Gassenich nenne es einen SchnappschussRestaurantRestaurantyummiKimchiiiii - bringt auch die Japaner zum Lachen

Als nächstes ging es zu einem der womöglich schönsten Tempel überhaupt. Auf einem Berg Kyotos mit Ausblick auf die Stadt lag der Kyomizu-dera Tempel (清水寺). Der Tempel lässt sich zurück datieren auf das Jahr 798 und ist, wie sollte es auch anders sein, Weltkulturerbe. Viele Japaner haben hier für die Opfer des Erdbebens und Tsunamis im März gebetet. Ein kleiner plötzlicher Regenschauer hat uns eine Weile unter den Tempeldächern Schutz suchen lassen. Als er vorüber war tranken wir aus dem Bergquell-Wasserfall einen Schluck Wasser (Kyomizu bedeutet ‚reines Wasser‘) und laut Jun leben wir nun fünf Jahre länger Cool.

Eingang Kyomizu-dera...WunschtafelnGang mit unzähligen kleinen Glockenspielchen im WindJunCheese(u)Time for Praying...............Kyomizu-deraAusblick auf KyotoUnd wieder die DamenBergquellfließt da schon eine geraumte Zeit dort raus...In einer Bar, hallo MarilynEbisu im Sapporo GlasKanpai!...

Mit müden Füßen ging es den Berg wieder hinab. Vorbei an einem Souvenirgeschäft, in dem ich ein kleines (viel zu teures!) Geschenk von Jun bekommen habe, hieß der letzte Halt des Tages: Ort, an dem wir ein Bier trinken können. In einer kleinen traditionellen Bar endete der Tag mit Pizza, Kartoffelchips, Ebisu, Sake und dem Austausch japanischen, indonesischen und deutschen Gedankenguts. Unser nicht zu ersetzende ‚Reiseführer‘ hat uns den kompletten Abend bezahlt und diesmal fiel der Abschied am Bahnhof ein wenig schwer. Dennoch, sollte man sich nicht zweimal im Leben sehen, so bleibt doch eine kleine gemeinsame Erinnerung von Tempeln, Käfern, Essstäbchen und fließenden Steinen. Sayonara...

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Sonntag, 28.08.2011

OSAKA: Schlösser, Speisen und schöne Zufälle

Nachdem ich noch einen Tag in Marugame verbracht habe und meiner Gastfamilie Lebewohl und Danke gesagt hatte, kam ich nach einer vierstündigen, sehr ermüdenden Busfahrt endlich in der nach Tokyo zweitgrößten Stadt Japans an. Osaka. Hier hatte ich mir ein Youth Hostel für drei Nächte reserviert (J-Hoppers, sehr empfehlenswert). Von Osaka Station einen Stop weiter zur Fukushima Station (nein, der Name war kein schlechtes Omen), ein paar Minuten Fußmarsch und schon war ich da. Ich kam an als es bereits dunkel war und hatte mir für den Abend eigentlich nichts vorgenommen. Wie der Zufall so will, traf ich im Flur einen jungen Herrn aus den USA, der gerade auf seine Wäsche wartete. Wir sind spontan zusammen zum Abendessen in einem kleinen japanischen Lokal gegangen und es stellte sich heraus, dass er derzeit Englischlehrer in Korea ist. Wenn die Welt mal nicht klein ist… Wir saßen später bis zwei Uhr nachts mit Fish & Chips und japanischen Snacks auf der Dachterrasse des Hostels mit sehr nettem Ausblick auf Osaka bei Nacht und unterhielten uns über Gott, die Welt und eine seltsame Sehnsucht nach Korea. Beide landeten wir in Korea, weil wir dachten dann wenigstens Urlaub in Japan machen zu können. Unser beider Traumziel war Japan und beide haben wir auf dem Weg dorthin unser Herz an Korea verloren.

Am nächsten Morgen stand ein Besuch beim Osaka-Castle auf dem Plan. Wenn ich alleine reise, heisst das dennoch nicht, dass ich alleine meine Tage verbringe. Wieder erwies sich die Couchsurfing-Community als Erfolgsrezept für tolle Begegnungen. Auf meine Anfrage, ob sich im weiten Japan wohl irgendwer erbarmt und mir für einen Tag lang Osaka zeigt, hatte ich prompt eine Antwort erhalten. Tonghwi, ein junger Student hat mich am verabredeten Treffpunkt im Osaka Schlossgarten empfangen. Was mir noch vor dem Treffen auffiel war, dass sein Name kein japanischer war. Was mir bei der Begegnung auffiel war, dass sein Gesicht nicht japanisch war. Nach dem ersten Kennenlernen war klar: Unter Millionen Japanern ist es ein Koreaner, der mir seine Heimatstadt zeigen will. Aufgewachsen in Japan besucht er jedes Jahr Korea. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Wir sind zusammen essen gegangen, er hat mir sein Lieblingsessen gezeigt (Okonomiyaki, absolut lecker!) und mir vorgeführt wie man japanisches Essen koreanisch isst. Nämlich mit so viel Chili, dass es zum Feuerspucken reicht Cool Danach haben wir den Tag gemeinsam im Osaka-Castle verbracht. Tonghwi wusste so viel über die japanische Geschichte, dass ich die Erklärungstafeln kaum lesen musste, sondern einfach nur seinen Erklärungen lauschen konnte. Was ich vorher nicht wusste, war die Tatsache, dass ich im Schloss Hideyoshis stand. Ein Name, der mir äußerst bekannt war. Es war derjenige, der mit brutalster Hand das koreanische Volk massakriert, mit wahnwitzigen Herrschaftsplänen in China eingefallen ist und von dem einen oder anderen Japaner noch heute als heldenhafte Legende betitelt wird. Wie dem auch sei, sein Schloss war ein echter Hingucker und von ganz oben im Turm hatte man einen wahnsinnig schönen Rundumblick auf Osaka. Nachdem unsere Füße schon wehtaten, ging es zusammen Eis essen, Kaffeetrinken und am Ende des Tages in ein Gamecenter zum Purikura – die berühmt berüchtigten Stickerfoto-Maschinen. Tonghwi hat mir einen super schönen Tag ermöglicht und wie heißt es so schön: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Vielleicht in Japan, vielleicht in Korea, vielleicht in Deutschland, vielleicht am Nordpol oder in Afrika. Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt.

Ich beim Fotos machenohne zu merken was hinter mir geschiehtTradition und ModerneIn Japan sieht manchmal alles so perfekt ausSitze irgendeines TV-SendersWeg zum CastleOsaka CastleOsaka Castle und Mango EisAusblick auf Osaka vom Dach des CastlesTime for Purikura!Osaka bei Nacht

Zurück im Hostel angekommen, habe ich gleich m Eingangsbereich einen jungen Herrn getroffen, der nicht so recht wusste wie er seinen Abend verbringen sollte. Wir saßen kurz im Gemeinschaftsraum und nach einem kurzen Plausch und der Frage, was er denn so macht und wo er so herkommt, stellte sich heraus: er kommt ursprünglich aus Kanada und unterrichtet derzeit Englisch in –richtig – Korea. Die Welt ist nicht klein, die Welt ist winzig… Alsdann sind wir sofort zusammen zum Abendessen und in eine kleine Bar gegangen und haben eifrig Japaner und Koreaner verglichen (ich darf anmerken, dass die Unterschiede teilweise größer nicht sein könnten). Da er in einer konservativen Stadt in Korea unterrichtet, die Ausländern gegenüber nicht ganz so offen ist, habe ich ihn nach Seoul eingeladen – dort werden wir uns demnächst wiedertreffen.

Samstag, 27.08.2011

BIZEN: In einem kleinen japanischen Dorf

Die Nacht habe ich in einem eigenen Zimmer voller Plüschtüre verbracht. In Bizen. Man kann es nicht essen; es ist ein kleines japanisches Dorf inmitten von Hügeln, umgeben von Wald und Reisfeldern. Ich habe die äußerst freundliche japanische Mutter meines Hosts kennengelernt und Akira hat mir für den Rest des Abends beigebracht wie man Origami faltet. In Orten wie diesen machen vielleicht die Menschen aus Tokyo Urlaub. Das Haus lag mitten in der Natur und hatte einen ungeheuer riesigen Garten. Hier übrigens meine Freunde aus Bizen:

Der Hamster gehört jetzt mirpink bunny mit radioPsychokatzeHello Kitty weitere Freundevom andern sternpüppi

Am nächsten Tag ging es nach einem Frühstück mit Natto (japanische Sojabohnen) auf Toast zu zwei sehr schönen Orten in den Hügeln nicht weit vom Dorf entfernt. Vorbei an dem Grab eines berühmten Samurai, der in diesem Dorf geboren wurde, gelangten wir zu unzähligen Tempeln und Schreinen. Im zweiten Tempel haben wir spontan einer buddhistischen Zeremonie beigewohnt. In einem kleinen Tempelhaus, schöner als jede prunkhafte christliche Kirche. Es gab kostenlosen Tee, eine Menge Mönchsgesang und ich musste stark an meine Familie denken. Auch wenn ich weit und breit der einzige Ausländer war, hab ich mich an diesem Ort sehr wohlgefühlt. Es folgt: Ein Bilderbombardement.

Akiras HausGrab eines SamuraiSchreinsehr altSchrein2...den Kameraden fand ich besonders niedlichwunderschönes Tempeldachdie Dächer konnte ich mir gar nicht lange genug anschauenHach...Schrein......Japanische Architektur, so schlicht und perfektFriedhofSchrein unter Japans FlaggeTeehausTorTempel

Freitag, 26.08.2011

OKAYAMA: Tausend Lichter und ein einziger Moment

Wo liegt eigentlich Okayama und kann man Bizen essen? Die Antworten fand ich durch eine spontane Einladung via der genialen Erfindung Couchsurfing. Ein Japaner aus der Community hat sich spontan als Host angeboten (nein, nicht die Sorte von Hosts aus den Host-Clubs in Tokyo). Jede Gelegenheit aus Marugame rauszukommen war eine gute Gelegenheit. So fuhr ich also die Stunde nach Okayama und wurde von Akira am Bahnhof abgeholt. Nach einem kleinen Abendessen im Udon-Restaurant, folgte auf einmal ein weiterer Anblick, den ich zu den schönsten Anblicken meines Lebens zählen kann. Wir liefen zum Okayama-Castle; es war mittlerweile dunkel, aber das Schloss war beleuchtet. Im Hintergrund gleich daneben ein perfekt geformter Mond. Erste Kerzen erschienen auf der Straße Richtung Korakuen, einer der drei größten Gärten Japans. Nachdem ich das Eingangstor passiert hatte bot sich mir ein Meer voller Fackeln, Kerzen, Lichtern. Es war Gardenlightening – ein Event, das hier einmal im Jahr stattfindet. Man mag den Anblick kaum beschreiben können. Es schien, als hätte ich ein altes Märchenbuch geöffnet und stünde nun mitten in der Szenerie. Japanische Gärten ohne ein Meer aus Lichtern sind schon eine Genugtuung für die Seele. Nun läuft man über die kleinen Flüsschen, auf den Bogenbrücken unter einem unzählige schwimmende Kerzen. Hügel und Bäume mit sanftem Licht beleuchtet. Die Wiesen voller Fackeln. Japanische Gäste kamen mit traditionellen Yukata-Kleidern. Im Hintergrund spielten zwei Japaner auf Shamisen. Japan bot sich mir in seiner schönsten, idealistischsten, perfektesten Gestalt. Man möchte sich kneifen, um sich bewusst zu werden, dass man nicht träumt. Wir blieben den ganzen Abend auf der Wiese sitzen. Sämtliche böse Geister waren plötzlich vergessen.

Gardenlightening - Leider auf der Kamera nicht mal annähernd so schönGardenlightening2Gardenlightening3Gardenlightening4Gardenlightening - Die blauen Lichter schwimmen im Fluss

Leider wird die Bildqualität dem Original nicht gerecht. Und die Musik im Garten hat für eine erhebliche Untermalung gesorgt. Hier für die, die wissen wollen wie Shamisen klingen (äußerst schöner Song):

Das ist das Japan, von dem manche träumen. So irreal schön und mit einer solch beseelten Umgebung, dass man niemals wieder woanders sein möchte. Jeder Moment in diesem Garten war ein einzigartig schöner.

Sonntag, 14.08.2011

MARUGAME: Japan und die Geister, die ich rief

Vom Flughafen in Takamatsu ging es auf nach Marugame, eine ca. 300.000 Einwohner Stadt. Nachdem ich die erste Nacht in einem traditionellen Gästezimmer verbracht habe, wohnte ich einige Tage lang bei Kenji und dessen Familie. Der Vater Japaner, die Mutter Brasilianerin. Eine sehr lebhafte und nette Familie. Den Fakt, dass sie strengchristlich waren hab ich einfach mal über mich ergehen lassen. In Japan sind indessen nicht viele Christen anzutreffen. Früher hatte man sie an Bäumen aufgehängt oder aus dem Land gescheucht. Sehr anders in Korea, wo ca. 30% Christen sind. Wie dem auch sei. Ich habe die ersten Tage und Nächte die finstere Seite Japans kennengelernt. Marugame erschien mir unheimlich. Dunkle Gassen gesät mit leer stehenden Häusern, finsteren Tempeln und verlassenen Spielplätzen, die den Eindruck einer Zombiestadt erweckten. Alles war beängstigend still. Und an meiner Seite mein japanischer Freund, der mir kontinuierlich Geistergeschichten von langhaarigen Mädchen in weißen Kleidern, die jeden Moment aus den dunklen Winkeln gekrochen kommen könnten oder starrend in einer Ecke stehen, erzählt. Erstaunlich viele Japaner glauben an Geister und paranormale Mysterien. Ich fragte mich: Wieso wollte ich eigentlich jemals in dieses verfluchte Land kommen? Die vielen Ahnenfriedhöfe überall (Ahnenverehrung ist in Japan noch äußerst wichtig) haben die Szenerie nicht wirklich freundlicher gemacht. In manchen privaten Haushalten erklangen kontinuierlich Glocken, um die bösen Geister zu vertreiben. Finster dreinblickende Steinstatuen von japanischen Mischtieren, halb verzerrter Löwe, halb undefinierbares Etwas, patrollieren die Häuser, damit die bösen Geister nicht hineinkriechen. Der Glaube der Menschen daran war stark genug in ihre Umwelt wahrlich diese Geister zu projizieren. Am Ende fühlt man, wie sie einen unsichtbar aus jedem Gebüsch heraus anstarren. In nächster Zeit bitte keine japanischen Horrorfilme mehr.

Selbst die Insekten in Japan erzählen düstere Geschichten. Im heißen japanischen Sommer hört man überall Semi zirpen. Semi sind rießige Zikaden, die 7 Jahre unter der Erde leben. Nach sieben Jahren kriechen sie aus dem Erdboden, um auf die Bäume zu klettern und Lieder zur Paarung zu singen (die Japaner nennen es Lieder, ich nannte es in den ersten Tagen Lärm). Nach der Paarung sterben sie innerhalb weniger Tage und ihre toten Hülsen krachen unter den Füßen, wenn man über die Gehwege läuft. Tragisches Insekt. Den Lärm, den sie produzieren nennen die Japaner nostalgisch und sentimental. Mein sentimentales Gehör ist mir indessen in der Mittagshitze verglüht.

Abgesehen von düsteren Ecken und tragischen Insekten gab es dennoch das wunderschöne Marugame-Castle, das Meer gleich um die Ecke und die Erkenntnis, dass japanische Tempelarchitektur die ästhetischste auf Erden ist. Nirgendwo in Korea findet man etwas annähernd Schönes. Korea. Keinen Ort der Welt habe ich in diesen ersten Tagen mehr vermisst. Japan erschien mir als düsterer, herrischer Schatten. Die Geschichten der japanischen Feldzüge und Genozide am koreanischen Volk blieben stark im Hinterkopf. Die bittere Einsicht: Der größte Wunsch war es immer eines Tages mal nach Japan zu gehen. Korea war stets nur zweite Wahl. Jetzt bin ich da und wünsche mir nichts sehnlicher als bald wieder zurück in Korea zu sein.

GästezimmerGästezimmer2FriedhofSchreingruselige Straßen überallMönchTempelTor zum SchlossMarugame-Castlehier aus der FerneMarugame vom Schloss aus betrachtetBergWegPark - selbst die Statuen sehen leidend aus

Donnerstag, 11.08.2011

TAKAMATSU: Yokoso! Nippon

Momentan befinde ich mich im Flieger Richtung Japan. Nachdem ich für fünf Minuten dachte, dass mein Leben nun endgültig vorbei sei – ich aß einen koreanischen Walnußkeks – entschied ich mich schnell ein paar Zeilen zu tippen. Schnell daher, weil ich in einer halben Stunde schon in Japan ankommen werde. Was den Walnußkeks betrifft, sollten mich eigentlich Spuren von Walnüssen außer Gefecht setzen können (allergischer Schock).  Nichts ist passiert. Ich schau gerade aus dem Fenster. Unter mir sind die ersten japanischen Inselteile zu sehen. Wir bewegen uns mit 827 km/h und es ist -30°C. Der Himmel ist babyblau, daher sehe ich auch gerade Honshu unter mir näher kommen. Ein Anblick, der mich jetzt meinen Laptop ausschalten lässt.

Zeitsprung. Angekommen. Nun sitze ich im Flughafen Takamatsu und schlage ein wenig Zeit tot, da mein persönlicher Abholdienst sich verspäten wird. Soviel zur Pünktlichkeit der Japaner. Zum ersten Mal über die ungeheuer vielen Inselteile Japans zu fliegen hat mir wohl einen Anblick geboten, den ich unter die schönsten Anblicke meines Lebens einordnen kann. Wenn die Berge Koreas wie ein schöngeformter Jadestein sind, sind die Berge Japans wohl der perfekt geschliffene Diamant. Ich werde nie wieder sagen, ein Japaner agiert überheblich, wenn er sein Heimatland den schönsten Flecken Erde nennt. Ich war so gefesselt, dass ich sogar vergessen habe ein Foto davon zu machen.

Donnerstag, 11.08.2011

Die letzten Tage in Korea

Nachdem ich am Freitag die Wohnung meines Freundes verlassen habe, war ich kurz in Seoul, habe mein verlängertes Visum abgeholt und wurde mit der einschlägigen Idee überrumpelt ins Haus meiner „Schwiegereltern“ zu fahren. Ich hätte meinen Freund am liebsten getötet für diesen Plan (da unvorbereitet). Meiner bestand darin für zwei Nächte in einem schäbigen Motel unterzukommen. Stattdessen habe ich zwei Nächte in einem Haus verbracht, von dem ein Normalbürger wohl nur träumen kann. Bilder im Anhang. Meine Mutter hätte wahrscheinlich geschrien, wenn sie im 46. Stock eines 64 Stockwerke hohen Gebäudes hätte schlafen müssen. Die Eltern meines Freundes waren unglaublich nett. Ich bekam mein eigenes Zimmer und wurde zu einem phänomenal teuren Abendessen eingeladen. Wir sind in Parks spazieren gegangen (so groß, dass wir uns verlaufen haben) und verbrachten einen Abend mit klassischer Musik und Wein. Zudem hatte ich noch eine ziemlich üble Bindehautentzündung (ich nehme an durch die täglich laufenden starken Klimaanlagen) und bekam Medizin und Augentropfen aus der Praxis seiner Eltern. Heute Mittag wurde ich dann zum Flughafen in Incheon gefahren. Wie kann man so viel Gastfreundlichkeit nur wieder gut machen…

 View 1View 2View 3Nicht wohnen sollte hier, wer leicht suizidal istBad (eines davon)WohnzimmerWohnzimmer²Im ParkPark ViewUnd nochmal

Donnerstag, 28.07.2011

Die versunkene Stadt

Seoul steht unter Wasser:

http://www.mediatoday.co.kr/news/articleView.html?idxno=96544

Stand von heute (Donnerstag): Die Polizei hat den Notstand in Seoul ausgerufen. 53 Tote und einige Vermisste. Allein in Seoul sind 23 Hauptstrassen gesperrt und 1300 Haeuser ueberschwemmt. Viele Menschen koennen ihre Haeuser nicht verlassen, einige müssen sie aufgrund der Erdrutschgefahr verlassen. In vielen Bereichen fahren keine Busse mehr und Subway Stationen sind ueberflutet. Absolutes Verkehrschaos durch den zusaetzlichen Ausfall von Verkehrsampeln. Einige Menschen leben derzeit ohne Strom und auch Handynetze funktionieren mancher Orts nicht mehr.

Ich sitze derweil meinen Kaffee schluerfend, mit klassischer Musik im Hintergrund im trockenen Iksan und lese die Nachrichten mit dezentem Grauen. Was ja nichts Neues ist, da ich die Nachrichten jeden Tag mit dezentem Grauen lese. Ob die Hungerskatastrophe in Somalia oder der Massenmord in Norwegen. Gut immerhin, dass es in Nordkorea bald McDonalds und Kentucky Fried Chickens geben soll... Hurra.

Übrigens: Mein Flug in die Nachbarschaft ist gerade gebucht. In 10 Tagen sitz ich im Flieger Richtung Japan. Eigentlich wollte ich ein Fährschiff nehmen, das wäre nur ein Drittel des Preises für den Flug gewesen. Allerdings konnte ich dank einiger Taifun-Warnungen nicht buchen und nehme nun doch die Luftstrecke. Die dauert dafür nur 1,5 Stunden. Auf Seestrecke wären es 18 Stunden gewesen. Wo genau ich nun in Japan ankommen werde, seht ihr wenn ich da bin. Es wird schonmal nicht Tokyo sein.

Montag, 25.07.2011

Bye Bye Seoul

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Alles. Nun ist die einmonatige Summer School auch schon vorbei. Gelernt hab ich nicht allzu viel. Um ehrlich zu sein hab ich sogar einen Kurs auf meine Liste des für meine Zukunft und persönliche Weiterbildung vollkommen unnötigen Humbugs gesetzt und bin spontan nicht mehr zu den Vorlesungen erschienen. Das unnötige Fach nennt sich Psychologie. Und ich weigere mich strikt meine Zeit zu verschwenden und jemandem zuzuhören, der mir was von Geistern, Parallelwelten und den prophetischen Nachfahren Christi erzählt. Mein Nichterscheinen zu seinen Vorlesungen nenne ich stillen Protest. Der Mann war mit seinen 75 definitiv zu alt und daneben leider auch ein wenig vom Irrsinn befallen. Die Wirtschaftsklasse war ganz ok, das Examen das einfachste meines Lebens und meine Klassenkameraden und ich haben gegen Ende einen reizenden typisch koreanischen freien Tag zusammen verbracht. Bestehend aus: Brettspielen (dafür gibt es extra Räumlichkeiten, die stark an Omas Wohnzimmer errinnern), Kaffeetrinken, Eisessen, Karaokesingen, Streetfood essen, Stickerphotos machen, Shoppen gehen, Metrobahn fahrn, Shoppen gehen, Bier und Soju trinken.

Brettspiele in Omas StubeKaffee, Eis und DonutsNorebang (Karaoke)TralalaKorean StreetfoodIn der MetrostationStickerphotos

Am Donnerstag hatten wir eine riesen BBQ-Party, mit dutzend ganzes Schweinen und Freibier für alle. Einige sind dementsprechend äußerst freudig und laut singend vom Campus getorkelt (ganz vorne dabei wenn es ums peinlich benehmen geht: Die Franzosen). Ich hab mich in eine Bar mit ein paar Freunden verkrochen (peinlich berührt vom Auftreten der deutschen Nachbarn) und wir haben spontan beschlossen, dass wir uns in ein paar Wochen in Japan treffen. 

BBQ-PartyGraduation

An unserer Abschlusszeremonie am Freitag kam wie schon bei der Eingangszeremonie Koreas Nummer 1 BeatBoxer und eine Crew von B-Boys, die den Saal so ziemlich angeheizt haben. Eine Tanzeinlage einer unserer Professoren haben sie auch erfolgreich eingefordert.

 

Samstag: Adios, Goodbye, Auf Wiedersehen, Annyeonghigyeseyo Seoul! Ich hab für's Erste (sprich bis Ende August) mein Wohnheim mit allen Sieben Sachen verlassen und bin jetzt offiziell heimatlos. Inoffiziell wohn ich bei meinem Freund in Iksan (wo das ist, siehe Karte). Eine kleine Stadt mit ein bisschen mehr als 300.000 Einwohnern. Darf ich das als Fuldaraner 'klein' nennen? Ich nenn es 'klein' als Seoulite, schließlich hab ich mich schon ziemlich an das Großstadtleben gewöhnt. Iksan ist die ehemalige Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Baekje, ein Königreich zu Zeiten noch bevor es so etwas wie Korea gab.

Mein Freund ist momentan auf einem Meeting und ich räum seine Wohnung auf, da das dringend nötig ist. Dringend. Ich werde hier die nächsten 2 Wochen verbringen. Gestern waren wir zum ersten Mal zusammen Lebensmittel einkaufen. Ich meine für ihn das erste Mal. Da der gute Junge zuhause sonst von einer Nanny bekocht wird. Ich nehme an, dass ich das hochgradig wohlhabend nennen kann (nicht nur für koreanische Verhältnisse). Seine Eltern sind übrigens beide Ärtze, da wird dem Sohnemann der spätere Beruf dann natürlich auch "einkommensbedingt empfohlen".

Donnerstag, 14.07.2011

Singing in the Rain

Regensaison in Korea. Es regnet seit 3 Wochen fast ununterbrochen. Außerdem werden heftige Taifune erwartet. Morgen geh ich mir endlich Gummistiefel kaufen. Ohne die kann ich kaum noch zur Uni laufen, weil mir ein Schwall von Wasser vom Berg entgegengespühlt kommt. Jedesmal wenn ich von dem unendlich vielen Regen genervt bin und am Liebsten mit ausgestreckter Faust Richtung Himmel schimpfen würde, mach ich meinen MP3-Player an und höre mir dieses Lied an:

Klagen bringt ja nichts. Smile und mach das Beste draus. Outdooraktivitäten beschränken sich derzeit auf "Wer-Als-Erstes-Unter-Der-Brücke-Dadrüben-Ist-Spielchen" und "Wieviele-Leute-passen-Unter-Einen-Regenschirm-Und-Wie-Weit-Kommt-Man-Damit-Ohne-Nass-Zu-Werden-Wettkämpfe". Meine Freizeit besteht derweil daraus stundenlang in Cafes zu sitzen oder in Restaurants oder unter Brücken an irgendeinem Fluss. Natürlich nicht alleine. Regentage sind nur freudig zu ertragen, wenn man sie mit jemandem teilen kann.

Letztes Wochenende sind wir (alle aus der International Summer School) dem Regen zum Trotz in traditionelles koreanischen Dorf gefahren (Touristenattraktion, nicht einfach so ein friedliches Dörfchen). Hier ein paar Bilder:

Tor, innendrin war übrigens ein Folterhofaltes PlakatDie hölzernen Kollegen hier dienten damals zum Schutz böser GeisterHier wird Ginseng angebautDer Herr war äußerst fleißig, hat er alles selbst gemachter nochmalDame im HanbokKinderschar im RegencoatGänse im GänsehausHightech BehausungPerfomanceDie Krüge durften wir am Ende bemalenWasserGruppenfoto, muss am Ende immer sein :)und nochmalauf unserem Campus mit Klassenkameraden1000 Won

Falls ihr euch fragt, warum ich Bilder von Geldscheinen poste: Auf dem 1000 Won Schein ist im Hintergrund das Gebäude von unserem Campus zu sehen. Das ist das, vor dem wir auf dem Bild davor stehen und alle (schaut nochmal genau hin) den 1000 Won Schein in den Händen halten. Naja, 1000 Won sind übrigens soviel wert wie 67 Cent. Tut mir leid euch enttäuschen zu müssen, ich bin nicht reich, wenn ich für meine Gesamtmiete weit über 1 Mio. Won ausgeben kann.

Morgen geh ich zum Immigration Office und lass mein Visum bis Ende Februar nächsten Jahres verlängern. Allmählich wird mir bewusst, dass ich wirklich hierbleiben werde. Mein Geburtstag in Korea feiern werde. Weihnachten. Silvester. Es entfacht ein kleines buntes Gefühlschaos in mir. Ich freu mich so riesig die Zeit noch hier verbringen zu können, aber gleichzeitig denk ich immer öfter an die alte Heimat. Manchmal sitze ich hier abends und habe das Verlangen auf der Stelle meine Familie anzurufen, nur um zu sagen wie lieb ich sie alle habe. Ah, ich hoffe das wisst ihr! :)

Freitag, 01.07.2011

Das Neueste aus Seoul

Ich bin ganz schön im Verzug mit diesem Blog, muss ich eingestehen. In die Ecke mit mir. Hier geht alles drunter und drüber die letzte Zeit und ich weiß auch gar nicht mit welchen Neuigkeiten ich anfangen soll. Hier ein kurzer Überblick:

- Viele meiner Freunde sind jetzt wieder zuhause in ihren Heimatländern. Das Semester ist vorbei, der Abschied war schwer und auch in einigen Fällen ziemlich emotional. Was soll ich sagen, ich hatte das Glück tolle Menschen kennenlernen zu dürfen! Danke für alles!

- Mit dem Auszug der alten, kam der Einzug der neuen Internationalen, die jetzt 1 Monat in Seoul leben werden und mit mir zusammen an der International Summer School teinehmen werden (Meine Vorlesungen sind Psychologie und Wirtschaft, beides jeweils 3 Stunden täglich)

- Mein ganzes Hab und Gut war mal kurzzeitig verschwunden und ist ein paar Tage später wieder aufgetaucht. Ach lasst euch das von meiner Mama erklären, wen es interessiert :)

- Frank ist da! Yay! Der arme Kerl hat leider die Regenzeit Koreas erwischt. Ja es regnet fast jeden Tag momentan. Tut gut einen alten guten Freund hier zu haben. Und mit ihm kam das tolle deutsche Brot aus Rommerz von meiner liebsten Mutti (mit eingebackenem Herzen, DANKE MUM! I love you!) 

- Ich hab zum ersten Mal ein wenig Heimweh. Auch wenn ich diese Stadt hier liebe, gibt es doch ein paar Kleinigkeiten, nach denen man sich manchmal ein wenig sehnt. Ich vermiss die Sterne (in Seoul sieht man keine Sterne), die vielen Wiesen (Korea hat zwar tolle Berge aber keine Wiesen), die frische Luft (von der gibts in Seoul nicht grade viel), die Grillabende mit meiner Familie, MEINE FAMILIE, Mariechen und Marvin - eure große Schwester denkt ganz oft an euch hier am anderen Ende der Welt :)

- Es fühlt sich verdammt seltsam an, wenn man von norkoreanischen Soldaten aus ihren Okularen beäugt wird. Ich musste weiterhin feststellen, was es für ein Gefühl ist tatsächlich auf nordkoreanischem Boden zu stehen. Welches Gefühl das ist? Dasgleiche wie im Süden.

- Zu guter Letzt die WICHTIGSTEN NEWS: Ich bekomme meine Aufenthaltsverlängerung! Ja, ich bleibe hier und werde vor 2012 nicht wieder in Deutschland sein. Ich werde noch ein weiteres Semester hier studieren, nur ein Semester ist einfach viel zu kurz. Ich liebe dieses Land und seine Leute. Ich weiß, dass mein Zuhause am anderen Ende der Welt ist, bei meiner Familie und den Freunden, die ich vermisse. Ich weiß aber auch, dass dieser Fleck Erde hier mein zweites Zuhause geworden ist. Diese Metropole so vertraut. Meine koreanischen Freunde, mein Freund und auch die fremden Menschen, die mir immer wieder zeigen, wie willkommen man hier ist, geben mir das Gefühl, dass zumindest ein Teil von mir hierher gehört.

Und nun beende ich die Newsmeldungen mit einer sehr schönen Variante des Arirang - dem berühmtesten Koreanischen Nationalsong - und einer visuellen Antwort auf die Frage, warum ich diese Stadt so sehr liebe.

Donnerstag, 16.06.2011

Relaxing on the Beach

...Nungut, nach dem Tag in den Bergen kam das faul Rumliegen am Strand. Nur dazu mussten wir den Strand erstmal finden. Um 10 Uhr morgens sind wir aus dem Hotel herausgestiefelt - und ich muss zugeben, noch nicht wirklich ganz nüchtern. Auf der Suche nach dem Strand (als Frühstück ein Erdbeer-Vanille-Eis) haben wir mit Sack und Pack die ganze Küste abgeklappert. Vorbei an idyllischen, von Sonnenschein angestrahlten und von der Meeresluft angehauchten... Stacheldrahtzäunen und was war das? Steinhaufen zur Verteidigung für eine Strandinvasion? Sie schrien förmlich "Willkommen am Strand Koreas, Eindringlinge". Schnell wurde in Erinnerung gerufen, dass der Sokcho Strand ja doch ziemlich nahe am Nordkoreanischen Grenzgebiet liegt und die Frage nach dem "Was soll das" war schnell geklärt (auch wenn ich die felsenfeste Behauptung aufgestellt hatte, das sei für die Japanischen Piraten, nur hab ich recht wenig Unterstützung für meine Theorie bekommen).

Gegen die Japanischen Piraten!

Aber letztenendes haben wir dann doch noch den wunderschönen Sokcho Strand (ohne Stacheldraht) mit Ausblick auf das Japanische Meer gefunden und haben dort den ganzen restlichen Tag verbracht.

For all the Loving OnesJapanisches MeerSokcho BeachPlantschKoreanische AnglerDie Stadt SokchoLooking to SokchoSonnenuntergang über Sokcho

Die Stadt Sokcho im Allgemeinen war recht klein (alles ist recht klein im Vergleich zu Seoul). Was das unglaublich Schöne war, war die Lage. Ein Blick nach links und man sah Koreas Berge in die Höhe ragen, ein Blick nach rechts und man sah die Weiten des Japanischen Meeres. Interessant war im Übrigen auch das koreanische Strand- und Badeverhalten zu beobachten. Man trägt hier beispielsweise keine Strandkleidung wie Badehose oder Bikini. Sah man mal Menschen in dem Outfit handelte es sich immer um Ausländer. Koreaner behalten ihre Kleidung an. Weiterhin bringen sie lustige, bunte Zelte mit, die sie aufbauen, um sich gegen die Sonne zu schützen. Und die Spiele, deren Zeuge man dort am Strand so wurde, unterscheiden sich auch ein wenig von dem üblichen westlichen, Volleyball und Frisbee. Man fragt sich als aller Erstens: "Was zum Henker...?" wenn man folgendes beliebtes koreanisches Spielchen verfolgt (genannt 말뚝박기) :

http://www.youtube.com/watch?v=g0HB_hf80XU

Nundenn. Mir kam es vor als sei der Tag anstrengender als der vorherige gewesen. Ich schätze, Nichtstun und Faulenzen macht außerordentlich müde. Wir sind mit dem allerletzten und spätesten Bus zurück nach Seoul gefahren und dort dann um 2 Uhr nachts angekommen. Interessant war dann doch, dass ein jeder von uns den Satz "Finally at home!!" benutzt hat. Endlich zuhause. Wir hatten Seoul vermisst.

Und Ihr in Deutschland durftet ja in der Zwischenzeit eure handvoll Feiertage genießen (und ich hoffe natürlich, das habt ihr auch!!). Wir in Korea hatten nur den einen, gleich am Montag nach unserer Rückreise. Am 6. Juni wird hier der Memorial Day gefeiert. Ein freier Tag zum Gedenken an alle Männer und Frauen, die während des Militärdienstes im Koreakrieg oder anderen Kriegen gefallen sind. Die Südkoreanische Flagge hing auf Halbmast.

Donnerstag, 09.06.2011

It is not the mountain we conquer but ourselves.

Koreanischkurs bestanden. Und somit ein Stück Freiheit gewonnen, da ich nun komplett freie Morgenstunden habe. Es war ein blutiger Kampf mit den Vokabeln und besonders dem zweitägigen Abschlussexamen. Ja ZWEITÄGIG. Aber nun hab ich endlich mein Zertifikat in Händen. Brauche ich nur noch 5 weiter…. Nun gut. Am letzten Tag nach einem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück folgte eine sehr nette Graduation Ceremony mit den Verleihungen der Zertifikate, der Würdigung der Fleißigsten UND der Lustigsten UND der Nettesten. Ja. Es gab eine Auszeichnung für einen jeden Klassenclown, der die Klassen und Lehrer zum Lachen gebracht hat, sowie eine Auszeichnung für denjenigen, den die Mitschüler als „the most kindest person“ ausgezeichnet haben. Es folgten nach der Vergabe eine Reihe an Vorführungen der Schüler: Einem japanischen Tanz, einem koreanischen Tanz, englische Lieder, koreanische Lieder. Mit Applaus und Rosen für die Tänzer und Sänger. Die Halle hat gebebt als beim koreanischen Tanz ein gutaussehender Herr in voller traditioneller Montur erschienen ist. Offensichtlich kannte man ihn. Ah Entschuldigung, ich bin nicht sehr bewandert in Koreanischen TV-Dramen. Am Ende flossen dann auch die ersten Tränen, da es für einige von uns hieß: Abschiednehmen. Eine japanische Mitschülerin ist an dem Tag nach Japan zurückgekehrt und eine chinesische nach China. Rei (aus Japan) ist plötzlich in Tränen ausgebrochen und das war wie eine ansteckende Welle. Als dann auch unsere beiden Lehrerinnen Tränen in den Augen hatten, hatten wir sie alle in den Augen. Wir wussten, dass es ein Abschied für immer wird und trotz der Tränen hatte man ein Lächeln auf dem Gesicht, da jeder von uns wusste: Es war eine schöne Zeit.

FrühstückMy lovely ClassGraduation CeremonyCertificatesDie Graduierenden des Abschlusslevels Koreanisch (in voller Montur)Classmates

Das darauffolgende Wochenende habe ich vor dem Laptop und meinen Büchern mit dem Schreiben meines Essays verbracht. Nicht gerade das aufregendste  Wochenende, aber was muss, das muss. Mein Essay drehte sich um ethischen Nationalismus in Südkorea mit Fokus auf Anti-Amerikanismus. Nunja. Ich erspar euch die Einzelheiten. In der Woche darauf habe ich meine erste Unterrichtsstunde als Deutschlehrerin gehalten. Ja, was man nicht alles tut, wenn man zuviel Freizeit hat. Prof. Shin, ein koreanischer Deutschlehrer hatte mich in einer Cafeteria beim Mittagessen angesprochen und gefragt, ob ich nicht mit ihm zusammen eine Unterrichtsstunde halten möchte. Natürlich! Es war eine interessante Erfahrung und die Koreanischen Schüler waren aufgeregter als ich, als ich da vor ihnen stand. Ich hab kurz das deutsche Schulsystem erklärt und danach musste jeder der Schüler eine Frage für mich vorbereiten. Wichtig war irgendwie ins Gespräch zu kommen. Auf Deutsch natürlich. Ich musste feststellen, dass ich als Lehrerin leicht aus dem Konzept zu bringen bin, denn scheinbar schnuppern die Schüler meine einzige Schwäche. In der letzten Reihe saß ein äußerst hübscher Kerl, dessen vorbereitete Frage an mich natürlich keine andere war als „Hast du einen Freund??“. Zum Glück bin ich nicht rot geworden. Aber die ganze Klasse hat danach versucht ein Date zwischen uns zu vermitteln. Das sollte doch nicht Ziel eines Lehrer-Schüler-Verhältnisses sein! Die Neugierde war übrigens auch sehr groß als die Frage „Gibt es in Deutschland wirklich GUMMIBÄRCHEN?“ kam. Schnell drehte sich die Diskussion über Haribo und Kinderschokolade und Überraschungseier und deren Inhalte. Am Ende der Stunde hat mir Prof. Shin noch ein Geschenk überreicht (Eine silberne Visitienkartendose mit dem Aufdruck unserer Universität) und mich für die Proben einer deutschen Theateraufführung seiner Klasse eingeladen, worauf ich schon jetzt sehr gespannt bin.

Und nun: nach Prüfungen und Verpflichtungen zum wohlverdienten URLAUB. Ich bin mit Celina (Schweden) und Shuang (China) spontan auf einen Wochenendtrip gefahren. Wir wollten mal raus aus Seoul. Was anderes als die bunten lauten Straßen mit den vielen Hochhäusern sehen. Wir haben das ganze Ding innerhalb von 20 Minuten geplant, wobei der Großteil der Planung in etwa aus „Mal sehen wo wir landen“ bestand. Unser Ziel war es im Japanischen Meer zu baden und einen der höchsten Berge Südkoreas zu erklimmen… Beide Missionen waren ein Erfolg. Los ging es Samstag um 8 Uhr morgens mit einer ziemlich überfüllten Metrobahn quer durch Seoul über den Han-River zur Bushaltestelle für die Reisebusse. Dort haben wir die Tickets gekauft, verloren drein geschaut, sind innerhalb von Sekunden von einem fremden Koreaner an der Seite gepackt worden, der auf die Tickets geschaut, uns am Ärmel gepackt hat und zum richtigen Bus gezogen hat. „Hurry! Hurry! This is your Bus!“ Es ist nicht nötig in Korea nach dem Weg zu fragen ;-) Unser Zielort hieß Sokcho, eine kleine Stadt die im Osten Koreas direkt am Japanischen Meer liegt. Die Busfahrt hat in etwa 4 Stunden gedauert, wir wären auch früher am Zielort angekommen, wenn nicht ein riesen Stau auf einem Teil der Strecke gewesen wäre.  Aber selbst ein riesen Stau wird schnell erträglich wenn man ihn in einer herrlich schönen Umgebung abstottern muss. Umgeben von den grünen Bergen Koreas war allein die Busfahrt schon ein schöner Anblick. Als wir uns dann Sokcho näherten wurden wir sofort von der Küste des Japanischen Meeres begrüßt. An der Stelle eine kurze Zwischeninfo: Japanisches Meer ist hier natürlich ein umstrittener Begriff. In Südkorea nennt man es „Ostmeer“, in Nordkorea nennt man es „Koreanisches Ostmeer“. Japan hat sich mit „Japanisches Meer“ derzeit international durchgesetzt. Ein riesen Streit kann ich euch sagen. Natürlich wird sich auch fuchtig mit ausgestreckten Krallen um kleine unbewohnte Inseln gestritten. Wenn die Japaner nicht locker lassen wird schnell mal ein südkoreanisches Eau de Parfum mit dem Inselnamen kreiert, um deutlich zu machen „Das gehört uns!“ Wie auch immer. Sokcho Beach. Hier angekommen sind wir nach einem äußerst leckeren Karamell Latte mit dem nächsten Bus in Richtung Berge gefahren. Strand kommt später. Erstmal wird ein bisschen die Beinmuskulatur beim Bergsteigen in Anspruch genommen. Halt! Karamell Kaffee Latte:

Mein toller Karamell LatteMein WIRKLICH toller Karamell Latte*schlürf*

Unser anvisierter Berg Mount Seoraksan lag in einem ziemlich netten National Park eine halbe Stunde von Sokcho entfernt. Dort am Eingangstor dachten Celina und ich uns erstmal „Kaufen wir uns den beklopptesten Hut“. „Koreanisch traditionell?“ oder doch lieber „typisch westlicher weiße Rasse Cowboyhut?“. Die Wahl fiel auf Zweiteren.  Wie man auf unseren Bildern recht fein erkennen kann. Und nun, wenn man in Korea wandern geht, dann tut man das nicht gerade alleine. Man muss eher Acht geben, dass auf man auf der Strecke nicht in einem Menschenstau stecken bleibt. Die Strecken, die man begehen kann sind gekennzeichnet und dort stiefeln eine  Menge Koreaner herum, viele, die bestimmt einen Ausgleich zum Stadtleben brauchen. Und letzen Endes war das ja auch unsere Intention. Und das Vorhaben war ein riesen Erfolg. Die Aussicht auf Mount Seoraksan war phantastisch. Natürlich sind wir nicht auf den höchsten Part gestiegen, das ganze hätte wahrscheinlich 3 Tage in Anspruch genommen. Für mich war es das erste Mal dass ich nicht nur auf einem Berg herumgewandert bin, sondern einen kleinen, wenn auch sehr winzigen Teil davon, wirklich erklimmt habe. Es folgt: Die visuelle Verdeutlichung von Koreas unglaublich schöner Natur.

Die zwei australischen Känguruhjänger am Eingang des National ParksJa ich geb's ja zu. Den Lift haben wir auch benutzt.just beautifulDie gesamte Seoraksan-RouteSeoraksan GebirgeYoI'll carry you over the stony pathKorean family. Isn't it a beautiful picture??!die unglaublich schöne Ferne, in die ich da geschaut habe ist leider nicht auf dem Bild draufDa ist die Ferne schon etwas mehrThe Trip-TeamKorea shows her beauty form abovesitting on top of the world? feels like it:)Das typische Yes-I-Did-It-Bild

 

Auf dem Weg nach unten haben wir einen abseitsgelegenen buddhistischen Tempel entdeckt, in dem ein einsamer Mönch hockte, der wirklich den Eindruck machte als wohnt er da schon seit einigen Jahrzehnten und ernährt sich von Beeren und Bergwasser. Er hat uns auf Koreanisch gefragt wo wir herkommen und schien äußerst erfreut uns zu sehen. Ein sehr sinniges Erlebnis auf dieser Strecke waren die Geräusche, die sie untermalt haben. Umgeben von waldigen Bergen hat man in der Ferne diesen unglaublich mysteriösen Mönchsgesang wahrnehmen können. Und lief man in die Richtung des Gesangs musste man jedes Mal irritiert feststellen, dass der Ursprung der Stimmen aus allen Himmelsrichtungen zu kommen schien, da deren Schall von den Bergen reflektiert wurde. Es klang wie das Rufen aus einer anderen Welt und doch… Bin ich mir fast sicher, dass es installierte Lautsprecher waren. Das südkoreanische Touristen Zentrum weiß sicherlich wie man in von Touristen gerne besuchten Gebieten ein wenig traditionelle Authentizität herzaubert ;-) Garantiert echt hingegen, war das kleine Tempeldorf, das am Fuße des Berges lag, lief man an der großen Buddha Statue vorbei, über die kleinen weißen Brücken, konnte man die alte Tempelanlage besichtigen, auf denen natürlich auch der ein oder andere Mönch herumstreunerte.

BuddhaDie Brücke zum himmlischen FriedenDie Brücke in GroßTempelanlageDie Ruhestätte auf Erden

Mit ein bisschen müden Füßen ging es dann mit dem Bus zurück nach Sokcho, das in etwa eine halbe Stunde entfernt lag. Hier erwartete uns dann der EIGENTLICHE Wandermarsch. Quer durch die Gegend auf der Suche nach Nahrung machten sich die 3 wackeren Ausländer auf den Weg durch die fremde Stadt. Die Stadt hat ihre Teile leider recht breit verstreut und so führte unser Pfad über wundersame, lange Autobahnstrecken. Und dann plötzlich in der Ferne das Stimmengewirr einer Menge Menschen und der Geruch von Nahrung. Und siehe da: Ein Fischmarkt! Ein großer Fischmarkt. Ein Fischmarkt dessen Nahrungsangebot uns teilweise finster, teilweise hilfesuchend angestarrt hat. Überwältigt von der Menschenmenge sind wir Schnurstraks in eine finstere Seitenstraße eingebogen (denn es war mittlerweile auf unserer langen Reise finster geworden) und endlich fanden wir unser langersehntes Restaurant das förmlich zu sagen schien „Hier sollt ihr essen“. Drinnen angekommen haben wir unser Essen bestellt. Mit dem Überraschungseffekt  natürlich, da keiner wusste, was wir da eigentlich bestellt hatten. Nach einigen Minuten wurde uns auch klar, dass die Dame und der Herr, die das Restaurant leiteten nicht mehr ganz nüchtern zu sein schienen. Wir waren übrigens die einzigen Gäste. Als das Essen kam (das mit einem finster dreinschauenden Fischkopf versehen war) begann der Restaurantbesitzer in einem herrlich drunkenen Stimmchen ein Koreanisches Volkslied anzustimmen. Und ernsthaft: Da so auf einem fremden Fischmarkt zu sitzen, mit starrendem Essen, zum Entertainment ein Koreanisches Volkslied gesungen bekommen… Da kommt korean feeling auf! Als der werte Herr fertig war (nach sehr langer Zeit) hat er von uns einen tosenden Applaus bekommen. Das Ergebnis war, dass er anfing uns kennenlernen zu wollen. Wo wir denn herkämen, wie alt wir sind, was wir hier machen, wo wir wohnen. Zum Glück reicht das Koreanisch mittlerweile für solche Konversationen aus. Und dann nahm der alte Mann das rothaarige Mädchen ins Visier. „Pputiful“ (beautiful) und „ppoifend“ (boyfriend) waren die beiden Worte, die er immerhin auf Englisch sagen konnte. Er sagte er sei 25 (er war mindestens 52) und ist von nun an mein neuer „ppoifend“. Der neue „ppoifend“ hat also seinem neuen golfend und deren Freundinnen daraufhin zwei Sojuflaschen und eine Menge Bier spendiert. Und gesungen hat er. Viel. Als die Stimmung „zu gut“ wurde, haben wir nach einigen ausgetauschten Blicken nur gesagt: Let’s get out of here. Wir standen also auf und wollten bezahlen aber mein neuer ppoifend hat uns das Essen auf Kosten des Hauses spendiert und uns mit einem seiner Songs verabschieden. Dafür hab ich ihn sogar auf die Wange geküsst und ich bin mir sicher, er hatte schon lange keinen so guten Abend gehabt. Das gleiche galt übrigens auch für uns. Mit einem High-Five (für das kostenlose Abendessen) ging es raus auf die dunklen Straßen auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen.

Sokcho's Fischmarktevil looking fishhead in our dinner

Nach zich erfolglosen Anfragen in Gasthäusern standen wir letztendlich sehr verloren auf der Straße neben dem Fischmarkt, von einigen koreanischen Jungs beäugt und gefragt, ob wir nicht in einem ominösen Club etwas trinken wollen. Uhm. Besser nicht. Stattdessen entschieden wir uns für den herumstehenden Polizeiwagen. Den Herren im Auto fragten wir, ob er weiß wo denn das nächste, günstige, freie Hotel wäre. Zuviel verlangt? Nein, zu wenig. Der werte Polizist, dessen Name sich als June Jik herausstellte, telefonierte die ganze Stadt nach einem Ort für uns ab (er telefonierte recht lange), reservierte einen Schlafplatz in einem Hotel in den Bergen und ohne Frage winkte er uns in den Polizeiwagen, um uns sicher dorthin zu bringen. Wer braucht in Korea schon Taxis, wenn es die Polizei gibt. Eine halbe Stunde sind wir mit June Jik gefahren und er war von da an unser neuer Freund. Er hat uns seine Visitenkarte gegeben und gesagt, wenn wir irgendetwas brauchen, sollen wir June Jik anrufen, er regelt das. Das Hotel war super und auch super günstig. Man hat mit Matten auf dem Boden geschlafen, aber das hat es nur noch traditioneller gemacht und war trotzdem bequem. Nunja, geschlafen haben wir natürlich nicht. Wir sind nachdem wir uns unseren Taschen entledigt haben wieder hinaus auf die Straße, um was zu trinken. Wir haben uns einfach vor den nächstbesten Laden gesetzt und haben prompt zwei sehr, sehr nette Englischlehrer (ein Pärchen) aus Schottland getroffen, mit denen wir den Rest der Nacht verbracht, über Gott und die Welt geredet haben und danach drunken in unser Hotel auf unseren Matten halbtot eingeschlafen sind. Ein erfolgreicher Tag in Korea geht gebürtig zu Ende.

In the policecarJune JikChristmastree??Unser Schlafplatz? Perfekt!

(To be continued...)

Sonntag, 22.05.2011

Pollen, Paraden und Popmusik

Seit einer Woche schlag ich mich nun schon mit meiner allerwertesten Allergie herum. Die Hoffnung, dass Seouls versmogte Luft und der Wüstenstaub, der aus China hierher weht, die Pollenattacken weniger stark machen, wurde im Keim erstickt. Pollen sind leider internationale Gefährten und ich müsste wahrscheinlich erst in einem Iglo in ther Antarktis wohnen um ihnen zu entrinnen.

Ich bemerke, dass sich allmählich eine Art von "Einbürgerungsphase" vollzieht. Soll heißen, dass ich mich hier mittlerweile so heimisch fühle, dass das übliche Touristenverhalten aufhört. Zum Beispiel jeden freien Tag irgendwelche Sehenswürdigkeiten zu besuchen, jeden Fetzen fremdartiger Kultur aufsaugen - fremdartig ist es jetzt nicht mehr. Es ist mein Alltag geworden. Hat man noch in den ersten Wochen von jedem Tempel ein Foto schießen wollen, läuft man mittlerweile daran vorbei und denkt "Aha. Ein Tempel." "Aha. Ein traditionelles Restaurant." "Aha. Ein Mönch. "Aha. Eine Frau im Hanbok (trad. koreanisches Kleid)." Ich bin mittlweile fast schon soweit, dass ich das Verlangen habe, den Koreaner neben mir anzustupsen und zu sagen "Guck mal da! Touristen." Naja. Seoul ist mein Zuhause geworden. Man kennt sich in einigen Ecken bestens aus. Man kennt die besten Restaurants, die besten Clubs und Bars, die besten Shoppingstreets. Man beginnt sich Stammplätze einzurichten. Orte, an denen man, läuft man hindurch, öfter mal stehenbleibt und sagt. "Ach hey, du auch hier", da man immer wiedermal auf bekannte Gesichter stößt. Man geht nach der Uni oder dem Training in sein Lieblingsrestaurant, weil man mittlerweile weiß, dass der Bibimbap da einfach am besten ist. Dann gibt man dem kostümierten Snoopy-Masskottchen, dem man jeden Tag an derselben Stelle auf dem Nachhauseweg begegnet noch ein High-Five bevor man zurück in sein Wohnheim kehrt, dem Wachmann davor mit einem Winken und "Annyeonghaseyo" begrüßt, den Aufzug nimmt, durch seine Zimmertür hereinkommt und erschöpft denkt "endlich zuhause." Manchmal ist man dann froh, wenn man einfach mal nichtstuend vor dem Laptop sitzen kann und dafür sogar irgendeinen Tempeltrip ausfallen lässt. "Hm heute nicht, hab ich schon gesehen."

Und vorallem: Was passiert nur bloß mit der Zeit?? Wo geht sie hin? Es kommt mir vor, als wär ich schon so lange hier und gleichzeitig scheint es manchmal erst gestern, dass ich aus dem Flughafen herauskam und mit einem "Rebecca, WELCOME TO KOREA!" begrüßt wurde. Und nun ist nächste Woche bereits mein Sprachkurs zuende und in 3 Wochen das Semester. Mein Leben ist momentan schneller als ich selbst und ich hab kaum Zeit das zu realisieren. Genug der Schwafelei über die Zeit. Ich wollte noch ein paar Bilder posten. Let's go. Erstmal ein paar Impressionen von dem Tag des buddhistischen Laternenfestival vor ein paar Wochen:

Bunte Laternen auf dem Weg zum TempelStreet EntertainerJanggu-SpielerVorbereitung für die Parade - bei den Farben können einem schonmal die Augen wehtun!PfauPfau der plötzlich seine Federn ausbreitetFeuerspeiender Drache - sehr eindrucksvoll der Kollege hiervon diesen Laternenwagen gab es unzählig vieleIch liebe diese TrommelnMönche, Mönche, noch mehr Mönchesehr schön anzusehenmore of that Dieses Teil war übrigens sehr lang und hatte sehr viele menschliche Füße darunter, sehr impostant wenn dieser Kopf plötzlich auf einen zugesprungen kommthübschUnglaublich süß, die kleinen Mönche haben den großen durch die Straße gezogen, weil sie woanders hin wollten als er...und wer hat am Ende die Laternen und Süßigkeiten abgestaubt? :) Richtig, das deutsche Mädchen aus der ersten Reihe

Weiter gehts mit einer Klassenparty. Das sind die Menschen, mit denen ich jeden Tag 4 Stunden Koreanischunterricht habe. Außer Hyunggwan, der spricht es schon seit 24 Jahren. Geh niemals ohne Koreaner aus dem Haus. Schon gar nicht nachts.

Tteobokki, scharf und phänomenal leckerChickensticks und allerlei KöstlichkeitenDongdongju, schmeckt nich nach Alkohol, nach 2 Schalen weiß man aber: Shuang, meine kleine Schwester aus ChinaHyungwan, mein koreanischer großer BruderyayAuf diesem Bild: Saudiarabien, Kamerun, China, Taiwan, Schweden, Deutschland und Korea

Da ich am Wochenende mal wieder in der Sauna genächtigt habe, hier mal ein paar Bilder von diesem herrlichen Ort.

Eingangsbereich - Ich und JeongminSpielhalleSchlafenszeit, ich hatte zum Glück meine Hello-Kitty Augenklappe dabei (Danke an Marie, dass sie sie mir geschenkt hat^^)schlafende Koreanernoch mehr schlafende KoreanerNOCH mehr schlafende KoreanerDer Schneemann, mein Freund, im Eisraum

 

Neulich war übrigens - Achtung Überraschung! - Festivalwoche der Universitäten. Koreaner können im Frühling und Sommer nicht ohne Festivals überleben, also gibt es immer und überall welche. Jede Universität verwandelt 3 Tage lang den Campus in ein Festivalgelände.

mit Rutsche im Hintergrund SKKU Festival 2011SKKU Festival 2011 (2)

Tagsüber gab es Zuckerwatte, aufblasbare Rutschen, Auftritte von Studentenclubs und abends am ersten Tag einen Songcontest, bei dem der Gewinner ein Jahr lang keine Studiengebühren bezahlen muss. Was definitiv ein guter Gewinn ist. Auf unserer Uni bezahlt ein koreanischer Student jährlich umgerechnet 5.650 € Studiengebühren! Auf anderen Eliteunis ist es teilweise noch höher. Wenn ich gefragt werde und erzähle, dass wir in Deutschland in manchen Bundesländern gar keine bezahlen müssen, fallen ihnen die Kinnläden auf den Tisch. Vielleicht ist es auch mal wert zu erwähnen, dass die meisten Schüler nach der High School eine Universität besucht. Ohne Uniabschluss kann man hier in Korea unter der Brücke schlafen. Das erklärt dann auch den enormen Leistungsdruck. Zudem muss man es schaffen auf die Uni mit dem besten Ruf und Namen zu kommen. Je elitärer die Uni, desto größer die späteren Jobchancen.

An den darauffolgenden 2 Festivaltagen kamen einige berühmte Sänger und Bands auf unsere Uni. Jede Uni hat in den Festivaltagen Stars angeheuert. Je berühmter, desto besser. Wir hatten bespielsweise den werten Herren aus dem ersten Video (siehe unten) da. Das interessante an seinem Besuch: Es gibt diesen einen Song, der kontinuierlich unter meinem Fenster in einem Shop gespielt wird. Jeden Tag. Mehrmals. In schlechter Lautsprecherqualität. Besonders Sonntag morgens ist das ENORM "reizend". Ich hab kurz zuvor zu einer Freundin gesagt "Wenn ich jemals herausfinde, wie dieser Song heisst und wer ihn singt, dann werde ich den Sänger - sollte ich eines Tages die Gelegenheit dazu haben - höchstpersönlich eliminieren und töten!". Jetzt stellt euch mein Gesicht vor, als er plötzlich vor mir stand und EBEN DIESEN Song singt................

Oh, neulich war ich in einer Bar, dessen Barbesitzer eine ungeheure Schallplattensammlung besitzt. Da saß ich dann eine Weile mit meiner Freundin Celina (aus Schweden) und hab ABBA, Ace of Base, Roxette, Metallica, The Scorpions und Nena gehört. Der Kerl in der Bar hatte wahrlich alle Originalschallplatten. Er hat mir Platten von deutschen Künstlern gezeigt, die ich nicht mal kannte. Wie man sieht in Seoul findet man alles. Übrigens auch ein deutsches Restaurant (mit dem äußerst kreativen Namen "Bärlin"), welches allerdings schweineteuer ist. Ich warte noch auf einen Koreaner, von dem ich mich dahin einladen lasse (diabolischerweise ohne ihm von den Preisen zu erzählen). Was würde ich alles für ein Zigeuner- oder Jägerschnitzel mit Pommes und Krombacher tun! Ich träum sogar nachts manchmal von deutschem Essen. Ich hab erkannt, dass ich es doch manchmal sehr vermisse. Mama, mach mir einen Braten, wenn ich wieder zuhause bin! Oder Nudelschinkengratin von Knorr!

So, das war's dann mal wieder. Ich schließe mit einem Song, der seinen Propaganda Zweck bereits erfüllt hat. Einer der unzähligen Songs, die tagtäglich auf der Straße gespielt werden und der mir mittlerweile gefällt. Das ist so ein bisschen unsere Schönwetterpartyhymne. Jedesmal wenn ich das höre denke ich nur: My life is beautiful.

Samstag, 07.05.2011

Krieg und Kultur a.k.a. Juhu ein Lebenszeichen!

Na sieh mal einer an... Hat sie wirklich einen neuen Blogeintrag geschrieben! Unglaublich. Das Vorhaben jeden Sonntag einen zu schreiben ist hiermit kläglich gescheitert. Woe is me! Heisst ja jetzt irgendwie, dass ich 3 Wochen nachholen muss...?

Was ist die letzten Wochen so passiert? Die Zwischenprüfungen liefen ganz gut. Zwischenzeitig ist mir mal meine Handtasche abhanden gekommen. Mit allem was man so braucht, Geldbeutel, Kamera und sowas. Well, wär ja auch suspekt, wenn alles glatt laufen würde, nicht wahr. Ich hoffe nur, dass meine neue Kreditkarte nächste Woche endlich ankommt. Ich bin es satt mir Geld zu leihen (zum Glück hab ich hier Menschen gefunden, die mir in der Not aushelfen). Ich hasse es in Schulden zu stehen. Reicht schon aus, wenn jemand bei mir noch einen Schuldenberg hat, der wohl in diesem Leben niemals mehr abgebaut werden wird. Themenwechel. Das Thema macht mich nur unnötig wütend. Ah, was die Handtasche betrifft, bin ich sogar ganz alleine bei der koreanischen Polizei gewesen. Gleich von einem mir entgegenkommenden Polizisten im Feierabend durchs ganze Gebäude gelots worden, um im richtigen Abteil zu landen. Mit meinem Fetzen Koreanisch konnte ich immerhin mein Anliegen mitteilen (niemand hat hier auch nur ein Wort Englisch gesprochen) und dann wurde der ganze Laden auf den Kopf gestellt, um mir einen jungen Burschen aus dem Militärdienst herbeizuholen, der der einzige mit Englischkenntnissen war. Kommunikation war am Ende doch noch ein Erfolg. Und die koreanischen Polizisten gehören definitiv zu ihrem Schlag was die Hilfsbereitschaft angeht.

Das Wochenende nach den Prüfungen fand natürlich zuerst einmal in einem Haufen von Bars statt. Immerhin hat man ja einen Grund zum Feiern, wenn der Stress sich erstmal (vorübergehend, etwas) lichtet. Weiter ging es sonntags darauf ins War Memorial Seoul. Ein sehr interessanter Ort. Wir haben den ganzen Tag dort verbracht. Das anliegende Museum bietet einen Einblick in die gesamte Kriegsgeschichte Koreas. Und die hat nun wahrlich keinen kurzlebigen Verlauf. Am Ende wartete sogar ein Dunkelraum mit einer Kriegssimulation auf uns. Wohl nicht einmal mit Abstand ansatzweise das Gefühl im Krieg zu sein, aber bedrückend war es schon zwischen den lauten Geschossen, dem Grollen, den koreanischen Schreien, Rufen und dem Rauch um einen herum... Hier unten seht ihr die Statue of Brothers, die an den Koreakrieg erinnern soll. Mich hat sie einige Minuten gefesselt, sehr ausdrucksstarkes Denkmal. Im vierten Bild seht ihr Seouls Kinderspielplatz. Nein wirklich, da sind unzählige koreanische Kinder herumgeturnt, die es alle ganz, ganz fabelhaft fanden auf Panzern und Kampfflugzeugen zu sitzen. Ein paradoxer Anblick. Die im Norden haben so einen Spielplatz sicherlich auch. Im nächsten Bild eine Gedenkhalle gefallener Soldaten, deren Lebensgeschichte darunter eingraviert war. Darauf folgt ein bekanntes Bild, das ja noch nicht vor allzu langer Zeit durch die Nachrichten ging: Bruchstücke des Torpedos vom Angriff auf das südkoreanische Kriegsschiff Cheonan im Jahr 2010. Das war übrigens das erste, was man sah, wenn man das Museum betrat. Man steht davor und bemerkt, dass der Krieg doch nach wie vor gegenwärtig ist. Danach ein seltsames deutsches Mädchen, das auf dem 38. Breitengrad sitzt (der Breitengrad an dem Nord- und Südkorea getrennt ist) und danach das Mädchen mit der Taegukgi (Name der südkoreanischen Flagge).

Statue of Brothers CloseupStatue of BrothersMemorialSeouls KinderspielplatzGedenkhalleTorpedeo (Angriff auf Cheonan 201038. Breitengrad, natürlich nicht der EchteMe and Taegeukgi

Apropos Taegukgi, den gleichnamigen Film hab ich mir als Abschluss des Tages angeschaut. Brotherhood of War. Der Überraschungseffekt blieb natürlich aus, als ich feststellte, dass es ein sehr einseitiger Film - erzählt von südkoreanischer Seite - war. Trotzdem sehenswert. Nach dem Tag hab ich übrigens - wird wohl niemanden wundern - vom Koreakrieg geträumt. Es war kein schöner Traum. Ich würde mir eine Wiedervereinigung ohne Panzer und Artillerie wünschen... aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das so eintreffen wird. Übrigens mein missachtender Fingerzeig, dass in vielen westlichen Schulsystemen dieser Krieg nie Erwähnung findet. Aber hat uns ja nie wirklich betroffen, nicht wahr...?

Auch der Norden hat im Übrigen Bewegründe für sein System. Durch den detailierten Einblick in die koreanische Geschichte, muss ich sagen, dass die kommunistische Seite in meinem Augen mehr Verständnis verdient hat. Sowas sollte ich hier natürlich niemals aussprechen. Ich hab hier ja sogar schon den ein oder anderen zynischem Kommentar gehört, als ich mich bei manchen Debatten auf die Seite Japans gestellt habe. Einen Japaner hab ich kennengelernt, mit dem ich mich nur allzu gut verstehe, wir beginnen sogar uns die guten, alten altmodischen Briefe zu schreiben. Da soll nochmal einer sagen, Japaner seien nicht romantisch. Allerdings hat er kein gutes Bild von Koreanern. Ich versuche es ihm ein bisschen auszureden und er versucht es mir wohl ein bisschen einzureden. Ich hab auch viele chinesische Freunde hier gefunden, mit denen ich ausgesprochen und erstaunlich gut über politische Verhältnisse sprechen kann (nur bloß nicht über die Japanische Elite, die ist nämlich böse). Hier gibt es viel Kritik am eigenen chinesichen System und wer weiß, vielleicht wird einer davon eines Tages mal einen Weg einschlagen, der daran teilhaben lässt etwas zu verändern. Herje... die Verhältnisse hier drüben in Asien sind äußerst kompliziert und angespannt. Und ich stecke manchmal ein bisschen im Strudel der Nationalitäten, die sich gegenseitig versuchen schlecht zu reden. Hat der Menschheit bis jetzt nichts Gutes gebracht.

Ok in der Woche darauf stand Freitagabend mein erstes MT an. MT steht für Membership Training. Und ich hatte schon eine Menge Gerüchte darüber gehört. Das MT war mit meinem Taekwondo Club. Und es lief in Etwa so ab: Wir haben uns Abends mit ein paar Clubmitgliedern an der Uni getroffen (der Großteil ist schon früher losgefahren, aber ich hatte vorher keine Zeit). Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet. Schon gar nicht, dass das erste eine fast dreistündige Busfahrt sein wird. Ankunftsziel: Mitten im Nirgendwo. Mich hat das 'unerklärliche' Gefühl beschlichen, dass wir uns nicht mehr in Seoul befanden. Die Straßen wurden immer dunkler. Die Leuchtreklamen waren schon lange verschwunden. Das Wetter war im Übrigen miserabel. Regen. Regen. Regen. Als wir aus dem Bus ausstiegen, waren wir in einer Szenerie, die mich stark an einen typischen Horrorfilm erinnert hat. Als es angefangen hat zu Donnern und die ersten Blitze kamen, hatte ich das Gefühl, dass es ein äußerst SCHLECHTER Horrorfilm ist. Wir standen mitten in einer verlassenen Gegend mit ein paar Läden, die allerdings alle aussahen, als hätte hier jahrelang kein Mensch mehr Fuß gefasst. Und plötzlich... Ein fremdes Auto hält an und bittet uns einzusteigen. Mal ernsthaft: wer würde auf die Idee kommen einzusteigen? Richtig. WIR. Die Koreaner, die bei uns waren haben uns erstmal erklärt, dass die Person im Auto von der Hütte kommt, in die wir fahren werden. Die lag mitten irgendwo im Wald, zwischen den Bergen. Ich kann nicht umhin mir einzugestehen, dass die ganze Sache ein echtes kleines Abenteuer war. In der Hütte angekommen sind wir (da wir die letzten waren) von einem tosenden Jubel des restlichen Taekwondo Clubs empfangen worden, die gerade dabei waren irgendwelche seltsamen koreanischen Partyspiele zu spielen. Die Hütte war übrigens von innen überaschenderweise äußerst komfortabel eingerichtet. Die Spielchen haben noch eineige Zeit in Anspruch genommen und danach wurden die ominösen Tische aufgestellt, auf denen Massen an Soju und Bier platziert wurde. Ja. Das ist das, worum es in einem MT letztenendes geht. Betrunken lernt man seiner Mitglieder doch am besten kennen. Und die Tatsache mitten im Wald in einer einsamen Hütte zu hängen, lässt meistens den konservativen koreanischen Eltern das Grauen aufkommen. Man redet sich natürlich ein, dass die lieben Kinder keine Dummheiten machen. Was bei uns übrigens nicht der Fall war. Der Taekwondo Club hat wahrlich Unschuld bewiesen. Niemand ist im Wald verloren gegangen, zu zweit auf der Toilette verschwunden, ins Koma gefallen, keine möglichen folgenden Schwangerschaften, keine Alkoholvergiftungen, nur eine Menge Karaoke und ein paar Gespräche im Regen. Wir haben uns also betrunken, den ganzen Abend Karaoke gesungen, der ein oder andere hatte am Ende Edding im Gesicht und geschlafen haben nur die Schwachen. Zuhause angekommen bin ich gegen 11 Uhr morgens.

Hinfahrt Busein Nirgendwo mit äußerst hübscher AussichtDa sitzen sieBegrifferaten mit KörpereinsatzDie werten Herren konnten es selbst betrunken nicht lassen Ihre Taekwondofertigkeiten zu testenTime for Soju and BeerTime for Karaoke

 

Um 11 Uhr morgens also schlafengegangen und nach 5 Stunden wieder aufgewacht zum nächsten Event. Ein eindrucksvoller Besuch im koreanischen traditionellen Musical MISO. Vorhang auf.

Da ich mich vorher zu einem kulturellen Austauschprogramm angemeldet habe, gab es also den ganzen Abend vor und nach dem Musical Programm. 25 Internationale und 25 Koreaner wurden in Gruppen zusammengewürfelt und durften einen äußerst netten Abend zusammen verbringen. Zuerst gab es eine große Vorstellungsrunde auf der Hauptbühne des Theaters. Anschließend Trommelunterricht mit einem der Trommelmeister der koreanischen Janggu-Trommel.

Janggu ClassJanggu Class 2Janggu Teacher

Danach ging es auf zum Mainevent des Musicals und anschließender Fotosession mit den Darstellern.

MaincoupleMeincouple and KidsStuffDie Kerle waren die besten^^ Publikum wurde in recht netter Weise von ihnen in die Show integriert^^schicke Konstüme hatten sie alle

Und wir wären ja nicht in Korea wenn zum Abschluss des Abend nicht noch eine Party geschmissen wird. Eine Makgeolli Party mit Performance. Wir haben also Makgeolli getrunken (koreanischer Reiswein), Pizza gegessen, gequatscht und einer Haegum Spielerin (traditionelles koreanische Saiteninstrument) und eines Jazzkonzerts gelauscht.

Das Programm war um 11 Uhr abends beendet und eines meiner Gruppenmitglieder hat bei Youtube ein nettes kleines Video für uns zusammengestellt.

Hübsches Lied übrigens. Eins noch. Wieviel der Abend gekostet hat? Inklusive Musicalkarte, Essen, Alkohol, Janggu-unterricht und überhaupt die unglaublich schöne Betreuung der koreanischen Organisatoren.... Umgerechnet 6 €... Kultur kostet hier nichts. Nimm dir daran mal ein Bespiel, liebes Deutschland. Wieso schafft man das hier in Korea? Wieso fällt es hier so viel leichter die Menschen auf die Art zusammenzubringen? Ausgeklungen hat der Abend dann noch mit einer Menge Zufuhr an Soju in umliegenden Bars mit 4 äußert reizenden Herren. In einer davon sind wir dann sogar den Darstellern des Musicals begegenet - so endet auch deren Abend bei dem was die Koreaner wahrlich am besten können. Zusammensein und feiern.

Und weil wir so gut im feiern sind, werd ich jetzt meinen Eintrag beenden. Denn da draußen wartet das Buddhistische Laternen Festival auf uns. Der Abend wird mit einem Feuerwerk und einem Meer aus Laternenlichtern enden. Das wird dann ausnahmsweise vielleicht sogar Seouls Werbeleuchtreklamen zum erblassen bringen.

Samstag, 16.04.2011

One folk, two countries

Entschuldigung für die verspätete Meldung, momentan sind meine Zwischenexamen im Gange und ich hab nur noch wenig Zeit, um mich hier dranzusetzen. Letzten Donnerstag hatte ich mein Geschichtsexamen und musste mir dafür eine Menge verwirrender Fakten und Geschehenisse und Namen und Daten einprägen. Für jeden den es mal interessiert wie ich lerne: Ich laufe durch mein Zimmer und stell mir vor ich wär mitten dabei. Glaubt mir, so macht Geschichte Spaß. Wenn man sich in die Köpfe der Generäle, die große Kriege geleitet haben reinversetzt. In die der Könige der alten Dynastien. In die der Bauern, die bewaffnet mit Bambusspeeren große Rebellionen vollbracht haben! Ich kann jetzt also sagen: Hey was letzte Woche passiert ist? Naja ich war im Chinesisch-Japanischen Krieg und hab gesehen wie das größte Reich aller Zeiten von den Japanern besiegt wurde. Ich war im Russisch-Japanischen Krieg und hab gesehen wie Japan zur Imperialmacht aufgestiegen ist und ich weiß jetzt auch warum. Ich war dabei als sie Korea annektiert haben und hab die koreanischen Freiheitsbewegungen beobachtet. Ich war Zeuge der Korruption und Verdorbenheit der asiatischen Eliten und sah wie kleine Leute in großen Massen gegen die Unterdrückung und Ungleichheit in ihrem Land gekämpft haben. Was für eine aufregende Woche, meine Lieben!

Mein Kopfkino ist äußerst ausgeprägt, soviel steht fest. Passend zu diesem Film hatte ich auch in der Realität genau die richtigen Erlebnisse und Aktivitäten. Letzte Woche bin ich mit meiner Kulturklasse ins King Sejong Museum gegangen. Der werte Herr hat das koreanische Alphabet (Hangul) erfunden. Wie sagte er so schön: "A wise man can acquaint himself with them before the morning is over; a stupid man can learn them in the space of ten days." Hangul sieht übrigens so aus:

"파도를 멈추게 할 수는 없겠지만, 파도타기를 배울 수는 있다."

(Übersetzung: "You can't stop the waves, but you can learn how to surf.")

Es gab auch eine Ausstellung über Yi Sunshin, ein koreanischer Admiral, der mal eine Schlacht gegen eine japanische Flotte gewonnen hat. Man hat sich einen eindruckvollen Film über den werten Herrn ansehen können und dann konnte man in ein riesiges Holzschiff steigen und - ja mit Gewehren und Kanaonen auf feindliche Schiffe schießen. Die hatten zwar nicht die japanische Flagge, aber die brauchten sie auch nicht, da man ja bereits wusste, dass man da gerade auf Japaner schießt. Übrigens waren eine Menge Japaner mit uns dort, aber die waren eher damit beschäftigt Origami-Schwäne zu falten :)

culture classdie zweite von rechts ist meine reizende Lehrerin, sie ist toll! Auf dem ersten Bild King Sejong im Hintergrund, auf dem zweiten Admiral Yi Sunshin.

Weiterhin hatte ich letzte Woche meine Gürtelzeremonie in Taekwondo. Jetzt hab ich endlich meinen eigenen Trainingsanzug (Dobok).

Taekwondo Wer mich auf dem Foto findet, bekommt einen Keks.

Der Höhepunkt meiner letzten Woche spielte sich am Wochenende ab. Wochenenden sind ja immer so die Höhepunkte. Aber diesem einen Besuch an diesem einen Ort hab ich schon entgegengeblickt bevor mein Flieger überhaupt in Südkorea gelandet ist. Das Grenzgebiet zu Nordkorea. Die DMZ (Demilitarisierte Zone). An diesem Ort spürt man die momentane Einzigartigkeit dieses Landes. Ein Volk, eine Sprache, eine Geschichte, zwei Länder. Zwei Länder, die sich nach wie vor im Kriegszustand befinden, die sich gegenseitig so fremd geworden sind, dass es schwer ist, die Gemeinsamkeiten zu sehen.  Der Welt letzter eiserne Vorhang. 248 Kilometer lang durch die komplette koreanische Halbinsel. Die DMZ ist ungefähr 4 Kilometer breit und die militärisch am stärksten bewachte Zone der Welt.

Ohne Tour und Führung darf man das Gebiet nicht betreten. Einige Koreaner von unserer Uni haben diese Tour organisiert und wir haben uns allesamt auf dem Campus samstags um 10 Uhr morgens getroffen. Wir haben 4 Busse voll besetzt. Ich war noch ziemlich müde von dem Abend vorher in einer Bar, also hab ich im Bus ein wenig Nickerchen gehalten. Mehr als Nickerchen ist auch nicht drin, da man von Seoul aus keine Stunde bis an die Nordkoreanische Grenze fährt. Dort angekommen kam sogleich ein südkoreanischer Soldat in jeden Bus gestiegen und hat die Reisepässe von jedem von uns kontrolliert. Wir hatten jetzt Gebiet betreten, in das Zivilisten nicht so einfach reinspazieren können. Auf der weiteren Strecke haben uns einige extrem gutaussehende Soldaten lächelnd zugewunken, was mir nicht gerade das Gefühl vermittelte, dass es hier irgendwo gefährlich werden könnte. Vielleicht gefährlich für mein Kreislaufsystem. Ich glaube, ich hab eine Schwäche für winkende, lächelnde, koreanische Soldaten entdeckt.

Die Tour hat uns an diverse Orte gebracht. Manche von ihnen konnten nicht betreten werden, da man ansonsten von den unzähligen dort noch liegenden Landminen in viele skurile Einzelteile gesprengt worden wäre. Was mich besonders irritiert hat: Die Südkoreaner haben in einem naheliegenden Park der DMZ... einen FREIZEITPARK errichtet. Diese Südkoreaner. Ich weiß nicht, ob sie besonders großen, schwarzen Humor haben oder einfach nur ein bisschen gaga sind. Nunja von diesem Park aus konnte man auf eine Aussichtsplattform und von dort aus nach Norkorea schaun. Wenn man durch die Ferngläser geschaut hat, konnte man sogar eine kleine nordkoreanische Siedlung sehn. Was mir besonders gefallen hat, waren die Denkmäler. Insbesondere das, welches man hier auf dem vorletzen Bild sieht. Die gepaltene Kugel stellt Korea dar und man sieht wie versucht wird die Kugel zusammenzuschieben. Apropos zusammenschieben. Hier fällt äußerst oft das Wort Wiedervereinigung. Seit letztem Jahr hat die südkoreanische Regierung eine Steuer erhoben, die auf jeden Südkoreaner fällt, um später die Vereinigung finanzieren zu können. Weiterhin laufen hier sehr viele private Spenden und Geldsammlungen, für den Fall das Korea vereinigt wird (was für den Süden sehr teuer wird, da Nordkoreas Wirtschaft nicht gerade die "beste" ist). Auch in den Schulen werden die Kids darauf vorbereitet, dass in 5-20 Jahren die Widervereinigung stattfindet. Ich persönlich seh das etwas skeptisch. Zumal ich mir nicht vorstellen kann, dass der Norden da lauthals "Naaa klar, vereinigt uns unter euren kapitalistischen Idealen!" schreit.

even more beautiful sightseeingBrücke zwischen Süd-und NordkoreaGelangweilte SoldatenNord und Süd reichen sich die HandTrying to push the 2 Koreas together

An jenem Tag an der DMZ war auch ein riesen Andrang von koreanischen Schülern. Ungemein süß fand ich es, als ein ziemlich kleiner Junge zu mir lächelnd angerannt kam und mich in perfektem Englisch gefragt hat "Excuse me! Where are you from?" Dann hat er mich zu seiner Gruppe gezogen und wollte unbedingt ein Foto machen. Na klar! Lächelnd

Korean KidsMORE korean kidsKoreanischer Junge an der DMZ

Als wir an einer gesperrten Brücke ankamen, die ehemals Nord und Süd verbunden hat, hingen dort an der Absperrung unter dem Stacheldraht eine Menge von südkoreanischen Briefen auf Stofffetzen, Bilder von Kindern auf denen Nord- und Südkoreaner zusammen spielen, Wünsche für die friedliche Wiedervereinigung:

gesperrte Brückeso muss man sich an der Mauer zwischen Ost-und Westdeutschland wohl auch gefühlt habenFarbenfroher Stracheldraht

Als nächstes durften wir einen der Infiltrationstunnel betreten:

http://2.bp.blogspot.com/_Dz06OxJll-g/SSt530WlLNI/AAAAAAAAAXI/EiKlrpEyFyQ/s1600-h/DMZ+tunnel+map.jpg

Ihr seht auf dem Bild 4 markierte Tunnel. In Tunnel Nummer 3 ("The 3rd Tunnel of Agression") war ich drin. Mit gelbem Bauarbeiterhelm natürlich. Der Tunnel liegt 73 m unter der Oberfläche und führt von der Grenze direkt Richtung Seoul. Die Tunnel wurden von den Nordkoreaner gegraben, die Gründe dafür sind wohl offensichtlich. Es werden noch 10 andere solcher Tunnel vermutet, die man bis jetzt aber noch nicht entdeckt hat. Die Eingänge der Tunnel sind von südkoreanischer Seite mit mehreren Barrikaden verschlossen worden. Es war verdammt feucht da unten, überall hat es von der Decke getropft und man sollte da unten besser keine Klaustrophobie haben. Fotos waren leider nicht gestattet.

Mein Reisepass sagt jetzt auch, dass ich im nordkoreanischen Grenzgebiet war. Im dritten Bild sieht man den Stempel. Uns wurde gesagt, dass wir es uns gut überlegen sollten, den Stempel machen zu lassen, da man uns ab sofort womöglich für einen nordkoreanischen Spion halten könnte. Nun. Ich vertraue einfach mal darauf, dass man, wenn man mich sieht nicht gerade einen nordkoranischen Spion mit mir assoziert. Wenn ich demnächst also von einer Horde südkoreanischer Soldaten umzingelt bin... dann nur, weil ich ein Foto mit ihnen machen oder womöglich ein Gläschen Soju mit ihnen trinken will Lächelnd Es ist übrigens nicht schwer Soldaten auch außerhalb der DMZ anzutreffen. An manchen Tagen denke ich mir wirklich "Ja, ich vergaß, dieses Land befindet sich offensichtlich wahrlich noch im Kriegszustand." Neulich kamen sogar zwei davon in voller Montur plötzlich in unser Taekwondo-Training. Oder ich seh sie in Restaurants sitzen. Oder auf Mauern an der Uni rumlungern.

SignRailway to PyeongyangReisepassstempelSüdkoreanischer SoldatSüdkoreanische Soldaten und eh deutsches MädchenUS-Army an der Railwaystation zum Norden

 

Übrigens... Die Koreaner haben manchmal eine sehr eigenartige Art und Weise mit der ganzen Thematik umzugehen:

 

Nundenn, um 17 Uhr waren wir wieder zurück an unserer Uni, der Tag war echt sehr interessant. Aber für mich steht fest, dass ich noch einmal dorthin gehen werde. Es gibt noch eine weitere Tour, die man in Begleitung mit der US-Army machen kann. Dort gilt dann auch Dresscode und Verhaltensregeln, weil man Panmunjeon (Joint Security Area) betritt. Ein Gebäude hochbewacht von Soldaten, welches zur Hälfte auf süd- und zur anderen Hälfte auf nordkoranischem Boden steht. Ein Ort, an dem man direkt in Augenkontakt (den man dringlichst vermeiden sollte) mit nordkoreanischen Soldaten geraten kann. Sollte ich irgendwann einmal die Gelegenheit haben, in dieses Land zu gehen, ich würde sie sofort ergreifen. Traumziel Nordkorea, ist wohl nicht jedermanns Wunsch. Vielleicht ist es die Geschichte Koreas, die für mich diesen Ort so faszinierend macht. Ich kann nicht umhin zu sagen, dass es eine etwas traurige Geschichte ist.

Wie dem auch sei, wieder in Seoul angekommen haben wir den Tag so ausklingen lassen, wie man einen gelungenen Trip ausklingen lässt. In einem koreanischen Hof. Der Begriff "Hof" kommt übrigens aus Deutschland und ist unverändert so übernommen worden. Nur sagen die Koreaner eher "Hop". Sie sagen nämlich auch "punny" wenn sie etwas "funny" finden. Das F ist hier ein großes Problem. Ein Hof jedenfalls ist eine Mischung aus Bar und Restaurant. Und man tut dort - richig - trinken und essen. Und das beides nicht gerade wenig. Wir sind da ungefähr mit 80 Leuten rein und haben das ganze Ding besetzt. Es war ein herrlicher Abend. Ich hab eine Menge koreanischer Trinkspiele gelernt und wiedereinmal das Gefühl gehabt, dass hier kein "ich und du" herrscht, sondern einfach nur ein "wir". Ein Gefühl das mich hier öfter überkommt. Nicht nur in koreanischen Höfen.

korean hofwir haben in ca 7 dieser Tische besetzt :)

Es war wahrlich ein gelungenes Wochenende. Ich hab mich mit einem Soldaten von der US-Army angefreundet, hab auch dadurch neulich mal den Stützpunkt der Amerikaner hier in Seoul besuchen können. Ich bekomm weiterhin etwas bedrückende Nachrichten aus den USA zu hören. Zumindest was die Finanzlage angeht. Nunja, jedenfalls gehen wir demnächst zusammen in die Berge Koreas zum Wandern, solange das Wetter noch nicht so brüllend heiß wird.

Ich mach mich dann mal wieder vom Acker. Muss noch lernen. Nächste Woche hab ich zwei Koreanischexamen Donnerstag/Freitag und danach werd ich mit meinem koreanischen besten Freund und dem Geschäftsführer von Siemens einen trinken gehn. Wie es dazu kommt erfahren Sie... ein ander Mal.

Freitag, 08.04.2011

From Fulda to Japan

Ich dachte mir, ich poste es mal hier, da ja auch einige, die den werten Interpreten kennen, meinen Blog lesen. Call it advertisement or whatever you want. Danke David, für diesen wunderschönen Song. Gestern hat es in Korea geregnet und ich habe eine Menge Menschen mit Schutzmasken gesehen. Außerdem hatten viele Schulen geschlossen, auch wenn die Regierung uns versichert hat, dass die radioaktiven Partikel, die hier in der Atmosphäre nachgewiesen wurden, nicht gesundheitsschädlich sind. Niemand ist sich momentan sicher, was wahr und was falsch ist. Die Mönche im Tempel, unsere Lehrer im Klassenraum, sowie etliche Koreaner, die ich kenne, legten uns nahe, vorsichtig zu sein. Whatsoever, Japan wird nach wie vor von heftigen Nachbeben erschüttert. Die Situation ist weit davon entfernt beruhigt zu sein. Um an all das, was vorgefallen ist zu erinnern, hier der Beitrag von einem Menschen mit herausragendem Talent.

And let me say once more いまでもやはり日本頑張ってね...

PS an D.: Ich hab es nach Japan weitergeleitet.

Ganbare Nippon

Sonntag, 03.04.2011

Du lächelst - und die Welt verändert sich.

Seit gegrüßt meine Lieben out there in Germany. Na da, meine Woche hatte einen äußerst feinen Anfang. Es hat ja immerhin 5 Wochen gedauert bis ich endlich mal ein koreanisches Krankenhaus von Innen sehen konnte. Suspekt genug, dass ich es nicht früher geschafft habe dort zu landen. Grund war wiedermal eine lästige Blasenentzündung. Ich brauchte eigentlich nur Antibiotika, also hab ich das einem meiner koreanischen Freunden erzählt, der mich alsdann sofort am nächsten morgen ins Krankenhaus begleitet hat. Ein rießen Privatkomplex der Seoul National University mit extra International Apartment, in dem die Ärzte und Personal fließen Englisch sprechen. Ich brauch nicht mehr zu erwähnen, dass der Service super war. Suprise, suprise. Man ist hier wirklich gut aufgehoben, wenn mal was passiert.

Am Mittwochabend bin ich zu einem koreanischen Jazzkonzert eingeladen worden. Wir hatten Freikarten von einem Klienten aus dem Geschäft einer meiner koreanischen Freunde. Normalerweise höre ich nicht gerade Jazz, aber das Konzert war ganz nice. Am Freitag hatten wir Pizzaparty in einem unserer Wohnheime, organisiert von der Uni, die uns kostenlose Pizza und Getränke spendiert hat. Wir haben mit ein paar Organisatoren aus dem International Office noch ein paar lusige Gesellschaftsspiele gespielt. Ja, wir haben schon ein nettes Leben hier, würde ich mal behaupten. Abends bin ich zuhause geblieben und früh ins Bett (sooo wie sich das an einem Freitagabend gehört :P) Zumindest sollte man den dekadenten Partys nicht zwingend frönen, wenn man am nächsten Tag eine Verabredung mit Mönchen in einem buddhistischen Tempel hat.

Templestay:

Samstag mittag haben wir uns in einer Gruppe mit 7 Leuten getroffen und haben uns aufgemacht zum Myogaksa Tempel am Fuße des Naksan Berges. Der Berg ist bekannt dafür, dass er seit 500 Jahren einen dort errichteten Schrein für einen Berggott besitzt (im alten Korea war Schamanismus die vorherrschende Religion, in der man alle möglichen Naturgötter anbetete). Heute steht dort ein buddhistischer Tempel. Der Berg ist übrigens mitten in Seoul. Ich hab wiedermal die ganze Zwispaltigkeit dieses Landes gespürt - ein heiliger Ort mitten im Hochhausdschungel. Als wir ankamen wurden wir sofort herzlich von den dort ansässigen Mönchen in Empfang genommen und sofort zur Umkleidekabine gebracht. Dort sind wir in orangne Tempelkleidung geschlüpft, haben Namensschilder und Schlüssel für unser Schließfach bekommen und es ging sofort danach weiter in den Gebetsraum, in dem wir einer Einführung des Mönches, der uns für die nächsten 20 Stunden begleiten sollte, lauschten. Der Mönch ist übrigens eine Frau gewesen :) Wir haben uns einander ausführlich vorgestellt und die Verhaltensregeln im Tempel, sowie die Aufgaben, die uns erwarten, erklärt bekommen.

Buddhastatue in der GebethalleYoe Yoe, unsere Leiterin

Unsere erste Aufgabe bestand darin einen 108 Gebetsperlenkranz herzustellen. Wir haben uns in der Gebethalle versammelt, jeder hat sein eigenes Sitzkissen auf dem Boden bekommen und der Mönch hat uns beigebracht wie man die Gebete macht und vorallem WARUM. 108 Perlen stehen dafür: Unsere 6 Sinne treffen jeweils auf 6 Umwelteinflüsse (Augen auf Farben, Ohren auf Ton, Geruchssinn auf Geruch, etc.). Macht 6 x 6 = 36 Sinnesmöglichkeiten, die uns an die materielle Welt binden. Das ganze multipliziert man dann noch mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (36 x 3) und man hat - richtig - 108 Möglichkeiten Gelüsten zu unterliegen. Die Zeremonie mit der man eine Perle an die Kette knüpft besteht in einer Reihe von Gebetshaltungen und Atemwegen. Stehen, auf die Knie, Stirn an den Boden, Hände erheben, Hände falten, auf die Knie, stehen. Einatmen und ausatmen nicht vergessen. Das ganze macht man 108 Mal. Ich hätte nie gedacht, dass man vom Beten ins Schwitzen kommt. Aber immerhin habe ich jetzt meine eigene selbstgemachte Gebetskette, für die ich 108 Mal meinen sinnlichen Fehlern abgeschworen habe. Ein Mönch macht diese Prozedur jeden Tag einmal.

108 prayer beads

Danach ging es zum Singen in einen anderen Gebetsraum. Ok, es war schwer bis unmöglich dem koreanische Gebetssingsang zu folgen, aber wir haben trotzdem ein bisschen versucht mitzusummen.

Gebetshalle 2Die Decke war mit unzähligen Papierlotusblüten geschmückt

Um 18 Uhr war es an der Zeit die Tempelglocke zum Ende des Tages zu schlagen. Siebenmal. Jeder von uns konnte mit dem Mönch zusammen einen Schlag machen. Ich hatte das Gefühl, dass diese eine Glocke in ganz Seoul zu hören gewesen sein müsste (wenn nicht der allesübertönende K-Pop auf den Straßen wäre natürlich.) Von dort oben auf dem Glockenturm hatte man einen enormen Ausblick auf Seoul. Es war ein seltsames Gefühl. Dort unten blinkten sie, die Werbeanzeigen, die tausenden Lichter der Großstadt mit den Millionen Menschen, die ihrem hastigen Leben hinterhereilen, mit dem einzigen Ziel mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Status zu bekommen. Ich hab die Augen geschlossen und mir vorgestellt es seien mit Gräsern bedeckte Berge, mit Millionen von Bäumen, die ihrem ruhigen Lebenslauf nachgehen, mit dem einzigen Ziel Richtung Sonne zu wachsen.

TempelglockeTempelraumDämmerung

Nach dem Glockenschlag haben wir zusammen mit den Mönchen zu Abend gegessen. Regel Nummer 1: Niemand darf währendessen sprechen. Regel Nummer 2: Nichts darf auf dem Teller liegen bleiben, also nur soviel nehmen wie man auch essen kann. Buddhisten werfen kein Essen weg. Außerdem gibt es statt Fleisch Tofu. Den Grund muss ich wohl nicht erklären. Nach dem Abendessen wurde uns die Meditationhaltung erklärt und wir hatten unsere erste 20-minütige Meditation ("Laying down my mind") zusammen mit den Mönchen. Nach dieser abendlichen Meditationsrunde ging es um Punkt 9:30 zum Schlafen. Wir haben unsere Bettlaken bekommen und durften es uns auf dem Boden der großen Gebetshalle bequem machen. Nun... "bequem machen" ist ein auslegungsfähiger Begriff. Die meisten von uns konnten nicht gerade eine innige Liebesbeziehung zum harten Fußboden aufbauen und so verging die Nacht mit relativ wenig Schlaf - dafür umso mehr Zeit über sich, sein Leben und die Worte der Mönche nachzudenken.

Laying the mind down

4:30 Aufstehen, meine Lieben. Naja kein Problem, ich war eh schon seit zwei Stunden wach. Nachdem die Mönche uns mit dem Klopfen an die Hallentüren "wachgemacht" haben, ging es um Punkt 5:00 wieder zum Glockenschlagen. Ich hab die Stadt noch nie so ruhig erlebt. Um 5:00 morgens an einem Sonntagmorgen schweigt dieser laute Gigant. Nur die Stille und der tiefe Klang der Tempelglocke hatten etwas wahrlich behagliches an sich. Danach ging es wieder in die Gebetshallen zur Morgenmeditation. Diesmal 40 Minuten. Keinen einzigen Muskel bewegen. Man vergisst die Welt. Man spürt nur noch sich selbst und den eigenen Atem - irgendwann hört man auch auf das zu spüren. Ich hab schon vor sehr vielen Jahren die Erfahrung gemacht, dass das wovon die Mönche sprachen sehr viel Wahrheit besitzt. Damals sagte man mir es sei eine psychische Krankheit, sein Ich zu verlieren. Für die Mönche hier im Tempel ist es eine der großen Erkenntnisse des Lebens. Übrigens für die aktuelle moderne Neurowissenschaft auch. Leider würde das zu weit führen, wenn ich es ausführe, aber ich hab einige gute Bücher, die ich empfehlen kann.

Nach dem Frühstück haben wir in einem widerum anderen Gebetsraum die acht Bilder der Lebensgeschichte Buddhas betrachtet und meine Lieblingsmönchin - sagt man Mönchin?? Übrigens hab ich sie gleich bei Facebook geaddet, haha, ja in Korea leben nicht einmal Mönche mehr ohne Facebook! Damn. Naja jedenfalls hat sie uns eine Stunde lang mit viel Witz und Leidenschaft Buddhas Leben erzählt. Wir hatten überhaupt recht viel Gelegenheit mit den Mönchen zu sprechen und sie alles Mögliche zu fragen. Über ihr Leben, ihre Gefühle, ihre Entbehrungen, ihre Ziele.

Danach ging es weiter zum morgendlichen Spaziergang auf die Spitze des Naksan Berges und durch den Naksan Park. Auf der Strecke haben wir uns in Laufmeditation geübt und den Anekdoten der Mönche gelauscht. Unsere flauschiger vierbeiniger Genosse, den die Mönche adoptiert haben, hat uns allerdings öfter mal abgelenkt. Entweder er wollte nicht mehr laufen oder er ist davon gerannt.

Wenn man nicht nach links geschaut hat, hat man sich fast wie in einem kleinen Wald gefühltDer Hund geht eindeutig mit dem HerrchenUnsere Vierbeinige BegleitungBergspitze

Puh. Ok, der letzte Programmpunkt stand auf dem Plan. It's teeeeaaaaaatime! Teezeit, meine Lieben. Nein, diesmal ohne Merzhase und verrückten Hutmacher, dafür mit dem besten Tee der Welt (Koreas Tee wurde sogar von China und Japan mehrmals als bester ausgezeichnet) und der besten Mönchin, die ich kenne (ok, ist auch die einzige). Wir haben uns zu zweit ein Tischchen geteilt und jeder durfte abwechselnd Teemeister sein. Uns wurde detailiert erklärt, wie wir den Tee zubereiten müssen und das auch die Teezeremonie eine sehr wichtige im Mönchsleben darstellt. Für den Tee würd ich sogar die Flasche Soju stehen lassen (die Resultate davon sind eh nicht gut für mein KarmaUnschuldig^^)

TeatimeJeder im Besitz des Tischchens war TeemeisterTempelvorhof

OKAY. Genug erzählt. Jetzt fragen sich sicherlich einige, ob ich die Erleuchtung dieses Wochenende gefunden habe :) Wir haben die Antwort heute gelernt. Sie ist nicht "No" sondern "Not yet. But I'm on my way." Was ich noch gelernt habe? Ich habe meine Schwächen, die ich zwar kenne, aber die ich gerne mal vergesse, vor Augen geführt bekommen. The three poisend minds that inhabit every human being: The greedy mind. The angry mind. And the foolish mind. Die ein oder andere Gier, die ein odere ander Wut oder gar Zorn, sowie die ein oder andere Dummheit setzt sich wohl in jedem von uns gerne mal fest. Das sind die drei Dinge, die uns oft davon abhalten glücklich zu sein. Die uns manchmal unser Lächeln vergessen lassen. Ich habe dieses Wochenende einige Stunden damit verbracht, diese Gefühle zu erkennen und sie durch Meditationen und Zeremonien in mir selbst aufzulösen. Für den Moment. Man sollte jeden Tag daran arbeiten, sie zu beseitigen, sobald man sie erkennt. Eigentlich arbeite ich schon seit Jahren daran. Menschen, die meine Lebensgeschichte kennen, wissen, dass mich diese drei Dinge in ihrer verschiedenen Erscheinungsform schonmal fast ins Grab gebracht hätten, im wahrsten Sinne des Ausdruckes. Ein großer Grund, warum ich diese Tempelerfahrung machen wollte. Ich bin kein Buddhist, aber die Parallelen zu den Dingen, die ich im Leben erfahren habe und die Anschauungen, die ich dadurch bekommen habe, sind bemerkenswert. Ich kann keiner der Religionen beipflichten. Für mich gab es noch nie einen Gott. Viele der Gebete und Einstellungen mancher Religiöser sind für mich leer und überholt. Manche Lehren des Buddhismus hingegen, die ich vorher schon kannte und auch die ich dieses Wochenende neu dazugelernt habe (dieser winzige Tropfen vom Eigentlichen) haben viele (nicht alle) meiner Ansichten bestätigt. Und wenn man den Gedankengang, den die Mönche uns angeschlagen haben, zuende geht... vielleicht findet man dann am Ende der Kette, das Eine, was alle Religionen dieses Göttliche in jedem von uns nennen. Vielleicht ist das Ergebnis dasselbe, nur der Weg dorthin ist anders. Aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Und der buddhistische Weg ist immerhin - mit Verlaub - im Gegensatz zu manch anderen gewissen Wegen nicht mit Blut und Leichen gepflastert. Kein buddhistischer Mönch hat jemals versucht einen Menschen zum "rechten Glauben" zu bekehren. Der Buddhist sagt "Die Antwort kannst nur du alleine finden." In keiner anderen religiösen Anschauung wird einem so sehr ans Herz gelegt, dass wir selbst für unser Schicksal, unser Leben und unsere Erkenntnis verantwortlich sind. Kein Gott richtet über uns, der Richter des jüngsten Gerichtes sind wir selbst. Wie sagte Buddha so schön:

"Der Mensch ist sein eigener Meister. Er ist sein eigener Feind und sein Retter."

Und soviel weiß ich ganz sicher: Damit hatte er recht.